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Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
315
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505¹⁵weisen, so ist dieses nicht eine rühmliche Stärke ih-rer Seele, sondern eine natürliche Härte ihres Her-zens, eine natürliche Stumpfheit ihres Gefühls.Aber es giebt Andere, denen von Natur eine feineSeele, (B. d. Weish. Cap. 9.) ein zartes Gefühlzu Theil geworden ist. Alles, was sie erfahren,macht sogleich starken Eindruck auf sie. Auch dengeringern Schmerz empfinden sie heftig und sie wer-den von ihren Empfindungen angegriffen. Wenn sol-chen ein Leid zustößt, so kann es ihnen nicht leichtseyn, in der Ertragung desselben Gelassenheit undStille zu beweisen. Fassung zu behalten, muß ih-nen schwer seyn, darum weil sie von jedem Anfalledes Schmerzes zu heftig erschüttert werden. Warnicht auch Ruth eine von diesen? Welch ein ge-fühlvolles Herz schlug in ihrer Brust! wie zart wa-ren ihre Empfindungen! wie fein waren ihre Ge-danken! wie tief empfunden war alles, was sie sprachund that! Und bey einem solchen zarten Sinn muß-te sie schon in den Jahren ihrer Jugend die Bitter-keiten des Schicksals in vollem Maaße schmecken.Sie war noch ein sehr jugendliches Weib, als sieschon ihren Gatten verlohren, ihr Vaterland undihre Familie verlassen hatte und mit saurer Arbeitsich und ihre Schwiegermutter in den Zeiten derTheurung ernähren mußte. Unter solchen Umstän-den, so wie sie, den Jammer und das Herzeleid