⸸306solchen von falscher Ehrliebe geleiteten unbescheidenen,unzufriedenen Menschen und der ausspruchlosen Ruth!Wie bescheiden ist sie in ihren Wünschen und in ih-ren Forderungen! Höret doch, wie sie mit ihrerMutter und wie sie mit Boas und seinen Dienernspricht: laß mich aufs Feld gehen, Mutter, undAehren auflesen, dem nach, vor dem ich Gnadefinde. (Cap. 2, 2.) Lieber, so sprach sie zu demAufseher über die Schnitter des Boas, Lieber, laßmich auflesen und sammeln unter den Garben, denSchnittern nach. (V. 7.) Vor Boas bückte sie sichtief zur Erde und sprach: womit habe ich doch dieseEnade gefunden vor deinen Augen, daß du mir soviele Wohlthaten erweisest, die ich dir doch fremd bin;du hast mich getröstet und freundlich angesprochen,da ich doch nicht bin als eine deiner Dienerinnen.(V. 10. 13.) Nirgends will sie hervorstechen undglänzen, nirgends will sie die Erste seyn. Manbemerkt es nicht, daß sie auch da ist und sie willnicht bemerkt seyn. Aufmerksamkeit und Ehrenbezeu-gungen verlangt sie nicht. Sie will nicht höher ste-hen, als sie steht. Sie ist gegen Jedermann höf-lich und freundlich und bezeigt Jedem die Achtung,die ihm gebührt, aber sie macht an die Achtungund Höflichkeit Anderer keinen Anspruch. Sie wirftkeinen Schein und keinen Glanz um sich, sondernlebt in sich selbst stille und bescheiden, Sie wirkt.
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