Druckschrift 
Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

#248wandeln. Auch kann der Leichtsinnige sich nicht vorErfahrungen verbergen, die ihm seinen Leichtsinnzerſloßen und dadurch ſeine leichtſinnige Heiterkeitzerstören. Der Verständige und Einsichtsvolle kannnicht gedankenlos seyn: hienge die Heiterkeit vonder Gedankenlosigkeit ab, so könnte er also nicht hei-ter werden. Heiterkeit wäre dann nicht in seinerGewalt. Ferner behaupte ich, daß Heiterkeitetwas sey, was man schon hier auf Erden sichzu eigen machen könne, bevor man ins höhere Landgekommen. Dieses würde ich ebenfalls nicht behaup-ten können, wenn ich unter der Heiterkeit diejenigeruhige Seelenstimmung verstände, welche nie unter-brochen, nie gestört wird. Denn in diesem Landedes Stückwerks soll und muß der Mensch im Streiteseyn. In den krummen Wegen dieses Erdenlebenskann nicht immer heiterer Sonnenschein auf unsfallen; sondern es wird uns auch manchmal Schat-ten bedecken. Nur das Kind könnte dann heiterſeyn. Denn auf den Wegen unſers Lebens gehtsbergan. Nur das Kind wandelt auf schönen Blu-menfluren unter fröhlichem Spiel und Jubel; seineBedürfnisse werden befriedigt und es ahndet nichtsSchlimmes. Höher und steiler wandeln Jünglingund Jungfrau; mühsamer ist schon ihr Pfad; sieahnden schon für die Zukunft höhere Anstrengungund höhere Reitze; es erwacht in ihnen die Be-