020kann sich eben so häufig gar nicht darin finden, daßer so viel mehr besitzt als sein ärmerer Nebenmensch,und erhebt sich über denselben mit Hochmuth, unter-drückt und plaget ihn.Thäten wir nicht besser daran, wenn wir unsin den Willen Gottes, welcher Reiche und Arme untereinander erschaffen hat, stille und zufrieden ergäbenund nur darauf bedacht wären, bey unsrer Armuthoder bey unserm Reichthum stets unsee Schuldigkeitgegen einander zu thun? Sollten wir nicht liebereiner dem andern dienen mit der Gabe, die wirvon Gott empfangen haben, als die guten Haus-halter der mancherley Gaben Gottes? Würden wirnicht von einem solchen Sinne mehr Ehre und mehrFreude haben?Arme und Reiche, meine Freunde, sehen wirauch in unsrer biblischen Familiengeschichte unter ein-ander wohnen, den reichen Boas nemlich und diebeyden Armen, Mutter und Tochter Naemi undRuth. Alles war ihnen von Gott gekommen, Ar-muth und Reichthum: Boas war reich, das hatteGott ſo gefügt; Ruth und Naemi waren arm, dashatte Gott zugelassen. Aber beyde, der reiche unddie armen, lebten auch, wie es sich für weise undgute Menſchen geziemt, als ſolche, die von Gott ſoerschaffen worden und Gottes Werk zu wirken haben.Die Armen arbeiteten, dachten und betrugen sich ih-
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