#94Denn nie drückt ein Leiden schwerer, als wennman nebenher noch die Pein innerer Vorwürfe em-pfindet oder wohl gar zu sich selbst sagen muß: dasist meiner Sünde Schuld, daß ich so gestäupet wer-de. Drücken uns gleich unverschuldete Leiden oftauch schwer genug, so haben wir dann doch denTrost, daß wir ein gutes Gewissen haben. (Ebr. XIII,18.). Es ist nemlich der Unschuld eigen, daß das Be-wustseyn derselben „etwas erheiterndes und stärken-des“ mit sich führt. Ich habe doch das Meinigegethan, kann der Redliche im Unglück sagen, meinGewissen plagt mich nicht auch meines ganzen Lebenshalber. Und dieser Gedanke ist ihm der beste Freund-in der Noth. Es thut ihm so wohl, daß er wedervor sich selbst noch vor irgend einem guten Menschenzu erröthen braucht. Der Unglückliche hingegen, demes an diesem Bewustseyn der Unschuld fehlt, wiedoppelt elend ist er doch! das Gefühl seiner Unwür-digkeit, die Schaam vor sich selbst und vor jedemguten Menschen, die Vorwürfe, die er sich selbstmachen muß und von Andern erwarten kann, wiewird dadurch seine Ruhe gestört und sein Schmerzvermehrt! Auch der Erheiterung, die dem Unschul-digen durch die „Erinnerung an das vollbrachteGute“ zu Theil wird, kann er sich nicht erfreuen.Wenn der Redliche im Bewustseyn der Unschuld indie Vergangenheit zurückblickt, so empfindet er im.
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