830ich meyne den religiösen Glauben, der siebelebte. In ihrer ganzen Denkungsart und inihrem ganzen Betragen zeigt sich derselbe wirksam.Sie wandelt gleichsam an Gottes eigener Hand durchsLeben. Alles, was ihr und was Andern begegnete,ſah ſie als Göttes Fuͤgung an. Die Freuden, dieihr wurden, wie die Leiden, die ihr zustießen, be-trachtete sie als von Gott gesendet. Was sie vonder Zukunft erwartete, das erwartete sie von Gott.Als sie im Moabiterlande vernahm, daß in ihremLande die Theurung und Hungersnoth aufgehörthätte, so freute sie sich, daß Jehovah sich seinesVolks wieder angenommen und ihm Brodt gegeben.(Cap. 1, 6.) Als sie bey ihrer Rückkehr in ihreVaterstadt von ihren Freunden und Bekannten be-willkommet wurde, sie aber des vielfachen Jammersgedachte, den sie bisher erlebt hatte, so konnte sieauch in diesem Jammer und Elend, welches ihr zu-gestoßen war, die Hand Gottes nicht verkennen:nennet mich nicht mehr Naemi, sprach sie, (dasheißt auf Deutsch, die Freundliche, die Vergnügte)sondern nennet mich Mara, (das heißt auf Deutsch,die Betrübte) denn Jehovah hat mich betrübet, derAllmächtige hat mich mit Unglück geschlagen. (Cap.1, 20. 21.) Als sie bey ihrem Abschiede aus demMoabiterlande ihren Töchtern Glück und Segenwünschte, erwartete sie denselben nur von eben die-
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