18250treffen. Freylich wünscht man in der Blüthenzeitdes Lebens vorzüglich, in ungetrübter Freude dahinzu gehen und am Lebenspfade lauter Blumen zupflücken; man vermuthet, daß man in spätern Jah-ren noch früh und oft genug werde klagen und seufs,zen und an Dornen sich verwunden können. Aberwer es einsieht, wiel viel darauf ankomme, einfestes, ruhiges und starkes Gemüth aus den Jahrender Jugend in die Jahre der ernstern Sorgen undGeschäfte, wo so manches Unangenehme und Wider-wärtige auf uns wartet; mit hinüber zu nehmen,der wird nicht murren, wenn er auch in der frühenBlüthenzeit schon bisweilen auf Dornen geführt,und mit Ungemach heimgesucht wird. Er wird durchdas frühe Ungemach sich belehren und üben lassen;damit er inskünftige, wenn schwerere Leiden oderauch nur beschwerliche Arbeiten sein Loos werden, sowie Naemi ruhig und stark seyn möge. Und wennihn, so wie Naemi, in spätern Jahren das Herze-leid trift, dann wird er (Ebr. X, 32. 35.) geden-ken an die vorigen Tage, da er ſchon Kämpfe der Lei-den erduldet, und sein Vertrauen nicht verwerfen.II. Bey Naemi kam indeß zu jenen frühern Er-fahrungen auch noch eine gewisse Weisheit, die,wenn sie recht lebendig in dem Menschen wird, denMangel jener Erfahrungen zum Theil ersetzen kann,
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten