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Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
157
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⁵⁰57III. Indeß ist es darum nicht gesagt, daß die-jenigen, denen es an jener natürlichen Anlage zueinem liebreichen Sinne und Betragen fehlt, sich zudemselben nicht gewöhnen können. Nichts weniger.Alles, was Vernunft und Schrift uns gebieten, istuns möglich. Mag sich auch unser Herz mit seinenüblen Gewohnheiten und Leidenschaften dagegen se-tzen; es kann uns das Gute, welches uns gebotenist, nur erschweren, nicht unmöglich machen. Kei-ner von denen, die sich von ihrem Temperamenteund von ihren Leidenschaften zu einem unfreundli-chen, harten und bittern Betragen verleiten lassen,darf sich mit seinem Temperamente und seinen Lei-denschaften rechtfertigen wollen. Denn wahrlich,der Mensch kann Herr werden über sich selbst. Anvielen der edelsten und besten Menschen lehrt unsdies die Erfahrung: sie sind das, was sie sind,nicht grade von Natur, sondern sie sind es durchUebung geworden; sie haben sich bemüht und ange-strengt, sie haben sich Gewalt angethan und durchlange Gewöhnung kamen sie zur Tugend. In dieserSelbstbeherrschung besteht unsre Pflicht und unsreEhre! und wie unbedeutend ist überhaupt alle Tü-gend ohne diese Selbstbeherrschung. Wenn wir da-her an uns verſpüren, daß die Neigung zum Wohlswollen, die natürliche Anlage zum liebreichen Sin-ne zu ſchwach in uns iſt, und daß Leidenſchaften