15654nen schwer werden und sie könnten es nicht gut übersHerz bringen, unfreundlich und unliebreich zu seyn. —Es giebt dagegen Andre, die von Natur mehr zumunliebreichen Wesen geneigt sind. Sie sind zurück-haltend gegen die, die sie umgeben, und verschlie-ßen ihre Gedanken und Empfindungen in sich. IhrHerz ist empfindlich und sie werden durch Kleinigkei-ten schon aufgebracht. Ihr Blick fällt leicht aufdas Böse, und sie tadeln gern. Sie leben in sichgekehrt und nehmen nur wenig Antheil an dem,was Andern begegnet. Sie haben sich selbst gar zuviel im Auge, als daß ihr Herz für Andre leichtwarm werden könnte. Vielmehr sind sie gegen An-dre mistrauisch und argwöhnisch. Was Andre redenund thun, beziehen sie gern auf sich. Ihr Augekann nicht frey und froh aufblicken, weil ihre Seelein sich gedrückt und gefesselt liegt. Sie legen esnicht darauf an, Andern angenehm zu seyn undFreude zu machen, darum, weil sie zu viel mit sichselbst beschäftigt, in sich selbst versunken sind. Sol-chen Menſchen muß es allerdings ſchwerer werden,ſich ein liebreiches Weſen anzugewöhnen. Jene brau-chen nur ihrem Temperamente, ihren natürlichenMeigungen zu folgen: wollten aber diese es thun,ſo würde ein hartes, ſtörriges, liebloſes Weſen inihnen herrschend werden...
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