Druckschrift 
Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

3594ernstlich bemühen, denen, die um und mit unssind, Freude zu machen; wir müssen es recht aus-drücklich darauf anlegen, uns ein eigentliches Ge-schäft und eine heilige Pflicht daraus machen, siezu erheitern und uns ihnen gefällig zu erzeigen.Wer diese Sinnesart und dieses Betragen nichtkennt, wer von den Seinigen mit dem Herzen ent-fernt, ihre Zufriedenheit mit der seinigen nicht aufsunzertrennlichste verbunden fühlt, der kennt auch diewahre Liebe nicht! Ach, die Einsamen, die nursich selbst haben! die armen Lieblosen, die nur fürsich denken und wirken! die Engherzigen, die fürdes Andern Freude und Schmerz keinen Raum ha-ben in ihrer Brust!Der kennt vollends die Liebe nicht, der argwöhnisch ist, oder der, wie es in unserm Texteheißt, nach Schaden trachtet. Liebreiche Menschenwollen ja nicht das ihre; sie wollen nur Andre, andenen ihr Herz hängt, zufrieden und beglückt sehen.Sie denken daher eher an sie als an sich. Das ver-trägt sich mit der Liebe nicht, daß sie, die so ge-sinnet sind, von denen, die mit ihnen im traulichenCirkel leben, Lieblosigkeit, Kälte, Falschheit, undlauter Arges vermuthen. Sie, die es mit ihrenhäuslichen Freunden so wohl meynen, lassen es sichso leicht nicht einfallen zu glauben, daß diese es mitihnen übel meynen. Sie, die gegen ihre häuslichen