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Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
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⁵⁰54mal die gewöhnliche Höflichkeit gegen einander beo-bachten; wenn sie gegen einander nicht einmal mehrso gefällig und zuvorkommend sind, wie gegen frem-de Menschen; wenn sie die gewöhnliche Höflichkeitund Sittsamkeit schon in den ersten Zeiten der häus-lichen Verbindung aus den Augen setzen, dannübertreten sie das erste, was die Liebe gebietet,denn diese verstattet keine Ungeberdigkeit, keine. Un-sittsamkeit. Edle Sittsamkett und Wohlanständigkeitsind eine unerlaßlichs Aeusserung der Liebe und gebenauch hinwiederum der Liebe stets neue Nahrung.Vor allen Dingen aber darf sich im Hause lieb-reicher Menschen keine Selbstsucht zeigen; denndie Liebe sucht nicht das ihrige. O dieseSelbstsucht muß ganz ferne von uns seyn, wennwir den Ruhm der Liebe haben wollen; denn dieLiebe hat es durchaus nicht mit sich selbst, sondernmit Andern zu thun, sie steht nicht auf ihr Glück,sondern auf des Andern Glück. Wir müssen gleich-ſam einer in ꝺem Andern leben; wir müſſen dasGlück, welches dem Andern begegnet, als unser ei-genes empfinden; wir müssen das Unglück, welchesden Andern trift, als unser eigenes dulden; wirmüssen die häuslichen Angelegenheiten als eine ge-meinschaftliche Angelegenheit betrachten, und deswe-gen unsre Sorgen, Arbeiten und Kümmernisse mitfreudiger Bereitwilligkeit theilen; wir müssen uns