44126I. Worin es bestehe und wie es sichäussere. — Unter dem liebreichen Wesen verstehe ichein solches Betragen, wie diejenigengegen einander zu beweisen pflegen,welche wohlwollend und liebreich ge-gen einander gesinnt sind. Wer liebreichgegen Jemanden gesinnt ist, der hat Freude an ihm;er empfindet in seinem Herzen eine innige Zuneigungzu ihm; er nimmt an dem, was ihm begegnet,aufrichtigen Antheil; er ist froh mit ihm, wenn ersich freut, er ist traurig mit ihm, wenn er leidet;er ſieht in ihm ein Weſen, das mit ihm verwandtund genau verbunden ist; er lebt gleichsam in ihmmit; es ist ihm Bedürfniß des Herzens, demselbenzu dienen, zu helfen, ihn zu trösten, ihm Freudezu machen, ihn zu erheitern u. s. f. — Doch,wer wird uns das liebreiche Wesen besser beschrei-ben, als der Apostel eines Herrn, der die Liebeſelber war. Laſſet uns ihn hören!Die Liebe ist langmüthig und läßtsich nicht erbittern, spricht er. Wenn wirin unserm Hauswesen alles schlechterdings nach un-serm Sinne haben wollen und sogleich unwillig wer-den, sobald etwas gegen unsern Sinn geschieht;wenn wir darauf bestehen, daß unsre Hausgenossengrade so denken und thun sollen, wie wir es wün-schen und verlangen, und sogleich verdrießlich wer-
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