1205•0Neid, Misgunst, ängstliche Sorge. Wer auch nureine einzige von diesen Leidenschaften in seinem Her-zen naͤhrt, deſſen Ruhe und Friede, deſſen Frohſinnund Freude ist dahin. Wenn seine Arbeit ihm auchnoch so gut gelänge, wenn er auch im Kreise dertreflichsten Menschen wohnte, wenn er auch in denangenehmsten Verbindungen lebte, wenn er auchdas reichlichste Auskommen hätte, wenn seine Kin-der auch noch so gut geriethen, wenn auch seinHaus ein Pallast und kostbare Seide sein Kleidwäre: er würde doch seines Lebens und Wirkensnicht froh werden, wenn jene Feinde an seinemHerzen nagten. Wer Ruhe und freudigen Sinn ha-ben will, der halte diese Feinde weit, weit von sichund seinem Hause entfernt!Und dies geschehe von uns zuvörderst durch Ge-nügsamkeit. Der Mensch bedarf ja doch imGrunde so wenig; wenn er sich von allen nicht noth-wendigen Bedürfnissen frey gemacht hat, so bedarfer ja nur Nahrung und Kleidung, Obdach und guteFreunde. Auch werden wir von den Gütern derErde so wenig mit hinausnehmen, als wir hinein-gebracht haben. Warum sollte man es sich denn soschwer werden lassen, zufrieden zu seyn? Warumsollte man denn mit so ängstlicher Bekümmerniß sor-gen? Warum mit so habsüchtigem Herzen den zeit-lichen Gütern nachjagen? Warum das vermeyntliche
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