106⁵⁵einmal in ihrem Stande unglücklich fühlen, dannsind ihre Klagen und ihr Misvergnügen lauter Vor-würfe, die uns treffen und schmerzlich wehe thunwerden. Lasset uns deswegen, ehe wir unsre Kin-der zu irgend einem Berufe bestimmen, zuvor mitSorgfalt auf ihre Fähigkeiten und Neigungen mer-ken. Lasset uns sie von Kindesbeinen an, so vielwir können, beobachten, um zu sehen, wohin ihrSinn sich neige und wozu sie Geschick verrathen.Lasset uns mit ihren Lehrern und mit unsern Freun-den über ihre Anlagen und ihre Bestimmung Rathnehmen. Lasset uns mit ihnen selbst uns besprechenund ihnen nicht eigensinnig und eigenmächtig Gewaltanthun. Lasset uns im Tone des Freundes, nichtim Tone des Gebieters zu ihnen sprechen; mit ih-nen gemeinschaftlich überlegen; ihnen zur rechtenZeit von Herzen zu Herzen vorstellen, worauf sie beyder Wahl eines Berufs Rücksicht zu nehmen hätten.Lasset uns ihnen mit unserm Rathe, mit unsererbessern Einsicht, mit unsern mannichfaltigern Erfah-rungen an die Hand gehen, doch nicht als Herrscherüber ihren Willen, sondern als Gehülfen ihresGlücks. Lasset uns bey dieser Ueberlegung und Be-rathung besonders alles Vorurtheil gegen diesen oderjenen Stand und Beruf ablegen und vor allen Din-gen den Wahn vermeiden, daß wir für das Glückunsrer Kinder nicht besser sorgen könnten, als wenn
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