85Sten können ihm die Ruhe und das Glück, das erzu besitzen meynt, plötzlich rauben. Eine solche ge-fährliche Lage verſetzt dann auch leicht ſein ganzesGemüth in die verkehrte Stimmung. Wie leichtwird der Mensch, der seinen Lebensplan blos dar-auf anlegt, sein Glück zu machen, engherziniedrig, ehrsüchtig, geldgeitzig, habsüchtig, mis-trauisch, argwöhnisch, falsch! wie leicht läßt er sichverführen, unrechte Wege zu betreten! Der Menschkann sich nie in größere Verlegenheit, Unruhe undGefahr begeben, als wenn er darauf ausgeht, seinGlück zu machen. Das lehren die Exempel allerder beunruhigten und gequälten, nie heitern undfrohen Gemüther, die die ewig wahre und tiefeWeisheit nicht kennen gelernt haben, daß es einköstlicher Gewinn sey, wenn man gottselig lebeund sich begnügen lasse. Diese Weisheitkannten die edlen Menschen, die wir in dieser Fa-miliengeschichte handeln sehen: und nach dieser Weis-heit denken und leben, das ist die wohlthätige Ein-falt in Grundsätzen, die ich meyne. Boas war einreicher Mann; aber nicht der Reichthum war es,um den er arbeitete und arbeiten ließ; sonst hätteer den Ertrag seines Feldes ängstlicher bewahrt,hätte die Aehren nicht absichtlich für die Armen lie-gen lassen, hätte es nicht der armen Ruth so leichtgemacht, sich mit seinen Schnittern zu Tische zu
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