#73in den Herzen der Kinder bald jener kleinliche Sinnfest, der stets Menschen zu gefallen sucht und allesaufbietet, um, sey es durch Schein oder durch Wahr-heit, den Beyfall der Welt zu erwerben: nun, solasset uns nicht also thun! — Sehet, da sind Elternselbst so kleingeistig, setzen auf Aeusserlichkeiten einenWerth, den sie nicht haben, sprechen von eitelmTand, von Glanz und Schimmer, mit einer Wich-tigkeit, wie über sonst nichts, bauen dem Götzender Eitelkeit Altäre und opfern darauf, ihre Kinderan der Hand; da ist es dann kein Wunder, daß dieseihre Kinder bald ebenfalls das Große aus den Augenlassen und das Kleine ergreifen, die Wahrheit ver-lassen und zum Scheine ihre Zuflucht nehmen, daswahrhaftig geltende stille Verdienst vernachläßigenund sich in glänzenden Schimmer hüllen: nun, solässet uns nicht so thun! Wahrheit, Wahrheit! dasist ein goldnes Wort, welches sich Eltern nicht oftgenug bey der Erziehung ihrer Kinder selbst zurufenkönnen. Selbst wahr seyn und ohne Schein undSchimmer, das macht Kinder, die zu wahren Men-schen reifen, welche keines Schimmers und keinesGlanzes bedürfen. Meine Freunde! Die Blume desFeldes blüht, der Vogel in der Luft singt, derBaum im Garten trägt seine Frucht, die Felsen hal-ten die Erde zusammen, dies alles ist und leistet,sh. 1.
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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273
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