#liebte! ich kenne einen Mann, der — bey nur nothdürf-tigem eigenem Unterhalte — in einer Zeit der Theu-rung — mit Weib und Kindern trocknes Brodt aß,um von dem, was er sonst mehr würde genossenhaben, seine ärmern Mitmenschen unterstützen zukönnen! Und diesem Manne sieht man dies nichtan, auch hört man es nicht von ihm. — Daß aberso denken, so handeln im schönsten. Sinne des Wortsheisse, Religion haben; wer hat dagegen etwas zuerinnern? — O es wird der Menschen noch wer weißwie Viele geben, unter uns geben, überall geben,die ihre Religion nicht im Munde führen, nicht aufder Stirne tragen, sondern im Herzen fühlen und imstillen Wandel üben. Nur wenige Erfahrungen jenerArt, und sie müssen uns in unserm Urtheile vorsichtigund in unsern Klagen bescheiden machen. Darumwollen wir nicht so blindlings nachklagen, es sey keineFurcht Gottes mehr in den Menſchen und Keiner ſey,der da Gutes thue.Die Sache beruhe auf sich selbst und wir könnensie auch auf sich beruhen lassen. Denn so sehr es sichauf der einen Seite in Ansehung des Religionszu-standes verschlimmert haben mag, so sehr hat es sichauf der andern Seite gebessert. So bedenklich es hieraussieht, so gerechte Ursache zur Freude und Hoff-nung haben wir dort. Ja zur Hoffnung; und Hoff-nung läßt nicht zu Schanden werden. Die Religion
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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205
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