44204weniger Thorheit, Lieblosigkeit, Ausschweifung, Be-trug, Ungerechtigkeit, Falschheit, Eigennutz regierthabe, als unter uns? Und da frage ich zweytens,wer darf sich unterstehen, dies beweisen zu wollen?Wer hat so viel Erfahrung und einen so weiten scharfenBlick, daß er das Maaß der Frömmigkeit eines Zeit-alters angeben, daß er die Denkungsart ganzerVölker berechnen könnte? Wer ist überall, wo diereligiöse Denkungsart sich offenbart, das heißt nichtauf dem ofnen großen Schauplatze des Lebens, son-dern im stillen häuslichen Kreise, in der einsamenKammer, wer ist da Zeuge von dem, was gedacht,empfunden und gethan wird? Wer hat daher dasRecht, über den Sinn seiner Mitmenschen ein ab-sprechendes Urtheil zu fällen? Wer hat Ursache, andem menschlichen Verstande zu zweifeln, daß er gött-liche Gedanken denke, und an dem menschlichen Her-zen, daß es für das gedachte Göttliche schlage? Ach,m. Fr., wir klagen wohl einmal über die verderbtegottlose Welt, und wenn wir einzelne Menschen auf-zählen sollten, die wir verderbt und gottlos nennendürfen, dann würden wir uns in Verlegenheit befin-den und uns unserer Klage schämen. Dahingegenwürde kein Einziger sich lange zu besinnen brauchen,wenn er aus dem Kreise seiner Bekenntschaft einigegute, rechtschaffene Menschen nennen sollte, die dasGesetz des Herrn lieb haben. Höret noch eins, Ge-
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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