169#auf demselben mit sich selbst und mit dem Schicksalzu kämpfen haben, zurückbeben! Wir würden sie dieStimme ihres Gewissens zu unterdrücken suchen, umnur für das kurze Leben bis zum Grabe ihres Da-seyns so viel als möglich froh zu werden. „Es istein kurzes mühseliges Ding um unser Leben, — sowürden sie mit jenen Lüstlingen im 2ten Kapitel desBuchs der Weisheit sprechen, — unsre Zeit ist wieein Schatten, de dahin fährt, und wenn wir wegsind, so ist kein Wiederkehren, denn das Todtenreichist versiegelt und Keiner kömmt wieder. Wohlandenn, so laßt uns genießen, was da ist und unsersLeibes brauchen, da er jung ist. Wir wollen mit dembesten Wein und den besten Salben uns füllen. Laßtuns die Mayblumen nicht versäumen, laßt uns Kränzetragen von jungen Rosen, ehe sie welk werden. Un-ser Keiner lasse es sich fehlen mit Prangen, allent-halben müsse man's spüren, wo wir fröhlich gewe-sen; wir haben doch nicht mehr davon als das. Kommt,laßt uns den Gerechten überwältigen, der uns schilt,wenn wir das Gesetz übertreten, der uns so viel Un-lust macht, wenn er unser Wesen für Sünde aus-ruft. Was wir nur thun können, das soll rechtseyn!“ — Zu welch einem Verfahren, m. Fr., würdeden Unglaͤubtgen ſein Unglaube verleiten; bis zu welcheiner Tiefe würde er sich durch eine solche Denkungs-art erniedrigen! Das aber verhütet die köstliche Ue-
Druckschrift
Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten