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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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55164noch fehlen, wie viele böse Neigungen würden danndoch noch in mir leben, wie viel ungewirktes Gutewürde dann doch noch zu wirken für mich übrig seyn!Meine Liebe, meine menschenfreundliche, gemeinnützi-ge Thätigkeit o hätte ich auch wie Maria geliebtund wie Paulus gearbeitet, wie unbedeutend wenigwäre es dann doch, was ich dadurch Gutes gestiftet,wie wenig Elend, das ich gemildert, wie wenig Se-gen, den ich verbreitet, wie wenig Tugend, die ichbefördert hätte! Ach, was ists, daß ein Mensch tag-täglich mit so vieler Sorge und Selbstverläugnung anseinem Herzen arbeitet! Es ist ja wie nichts, alles,alles, was ich erringe und erreiche, wie nichts. Esist umsonst, es ist vergebens, daß ich die Bahn derTugend so emsig verfolge, da ich auch bey der emsigstenBemühung auf dieser langen, langen Sonnenbahnkaum eine Fingerbreite vorwärts rücke. Allerdingswürden dies die Gedanken sehr vieler Menschen seyn,m. Fr., wenn ihnen der Glaube an ewiges Lebenoder die dunkle Ahndung desselben aus dem Herzengenommen würde und sie das Grab als die Gränzealles Lebens und Wirkens betrachteten. Der Gedankean den geringen Grad von Weisheit und Tugend, derin dem Leben hienieden erreicht wird, würde ihnengewiß Muth und Lust rauben, die schwere Bahn zubetreten; sie würden es sich unstreitig nicht gefallenlassen, um dieser so gering bleibenden Würde willen