50141I. Die erste Betrachtung. Meine christlichen Brü-der, kann Gott auch ein Tyrann seyn? kann der, derVater ist über alles, was Kinder heißt, auch lieblosseyn gegen seine Kinder? kann es in dem Reiche des-sen, der Alles in Allem ist, auch Menschen geben,die die elendesten, die unglücklichsten Kreaturen sind?die gequält und nur gequält werden? läßt es sich den-ken, daß der Gott, den die Weisesten der Erde vonje her als die ewige Liebe priesen und dessen Liebe vonunser aller Herzen auch da geahndet wird, wo wirsie nicht sehen, uns so ohne weiteres dem Elendepreis gebe? — Nicht wahr, uns schaudert bey die-sem Gedanken? Wir unvollkommenen, fehlerhaftenMenschen können nicht einmal tyrannische Herrenund grausame Väter seyn, oder wir müßten alles,was uns zu Menschen macht, verläugnen. So sagtunser Herz, und dieses Herz ist aus Gott. Es sagtuns, daß Gott vielweniger so seyn könne, darumweil Er mehr ist, als ein Mensch, weil alles Gute,was sich an den Menschen befindet, in Ihm lautervollkommnes Gute ist. Aber das wäre Gott, lieblos,hart, grausam, ja das wäre er, wenn wir nicht un-sterblich wären. Blos der Glaube an Unsterblichkeitrettet uns den tröstlichen Glauben an dieewige Liebe und hiermit die Ruhe unsers Lebens.Denn, wenn wir nicht unsterblich wären, welcherMensch wäre dann nicht zu beklagen als ein elender
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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