§§62unsrer Kleider, unsrer Familien verblendet, die übri-gen, die nicht so glänzen können, geringschätzen; wennwir aus Religionshaß nur uns den wahren Glaubenzuschreiben und diejenigen, die anders denken und zueiner andern Parthey sich halten, lästern und krän-ken; wenn wir dann so selbstsüchtig, so mistranisch,so kalt neben einander hergehen und mit unsern Her-zen so ferne von einander bleiben, saget, ist das derrechte Sinn, der sich für Menschen geziemet? istdas christliche Denkungsart? Nein, in dem vonChristo errichteten Reiche Gottes soll dergleichen Un-wesen wegfallen. Es ist ein Reich der Liebe, einReich des brüderlichen Wohlwollens. Ohne den Un-terschied der Stände, des Vermögens und des Anse-hens aufzuheben, wollte uns Jesus in diesem Reiche,wie Eine Familie unter einander verbinden. SeydKinder eures Vaters im Himmel, sprach er. (Matth.5, 45.) Hier sollen wir uns alle als Brüder be-trachten. Brüder sind sich einander nicht immer gleich,der eine ist stärker, geschickter, überlegsamer, talent-voller als der andre; aber alle sind Kinder des nem-lichen Vaters, Glieder der nemlichen Familie, sie ha-ben alle die nemlichen Pflichten und die nemlichenRechte; es wäre unbrüderlich, wenn sich der eine überden ändern hochmüthig erheben wollte. So soll auchdas Reich Gottes lauter Bürger haben, die sich alsmit allen Menschen verbrüdert ansehen und behandeln.
Druckschrift
Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten