5600endlich seine ersten Pflanzen, seine ersten Blüten, seinerstes Laub gebracht. Nur wehen noch einige rauhereWinde, wovon sich die Natur nach dem harten Win-ter, vielleicht zu unserm Besten, noch nicht entwöh-nen zu können scheint. Bald werden auch diese ver-weht seyn und dann steht der Frühling in seiner gan-zen Herrlichkeit unter uns. Sehet, er kam darumnicht eher, ob wir ihn gleich mit Sehnsucht erwar-teten, er blieb dennoch aus, obgleich Mancher mitUngeduld nach ihm aussah. Aber endlich, endlichkam er doch, er kam von Gott, der Allem, was istund geschieht, seine Zeit bestimmt. Warten lernen,warten lernen sollen wir, das ist die Lehre, diedieser lange erwartete und endlich erscheinende Früh-ling uns giebt. Warten lernen, das ist die wichtige,schwere Kunst, die wir zu erlernen haben. Wir wis-sen es aus der Erfahrung, wie oft es der Fall ist,daß wir die Erfüllung unsrer Wünsche und Hoffnun-gen weder durch Beten noch Arbeiten erzwingen kön-nen. Ein Hausvater, der für sein und der SeinigenBeſtehen beſorgt iſt, denkt hin und her, macht allerleyPlane, unternimmt dies und jenes, arbeitet rastlosund unermüdet: und wie lange bleibt oft alles, was erbeginnt, vergeblich. Eltern erziehen mit redlicherSorgfalt ihre Kinder, bilden sie durch Lehre und Vor-bild, ermahnen, warnen, berathen, unterrichten,leiten sie: und wie lange dauert es oft, ehe sie von
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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