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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
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°19Menschen und Thiere schämt man sich jetzt. Die Gro-ßen haben die Menschenwürde und Menschenrechteder Kleinen eingesehen und den eisernen Scepterdes Despotismus zerbrochen. Den Menschen, auchden rohern, schaudert bereits vor der fürchterli-chen Gewinnsucht derer, die Brüder und Schwesternkaufen und verkaufen; es empört ihn bereits der An-blick eines Nebenmenschen, dem seine Freyheit undseine Rechte durch Gewalt oder List abgedrungen wur-den. Der Große drückt den Kleinen, weil er seinUnrecht fühlt, höchstens nur noch im Geheimen. DerVornehmere ist gegen den Geringern huldreicher ge-worden und würde sich schämen, ihn hochmüthig zuverachten. Der Große hat gelernt, nur darin seineGröße zu setzen, daß er der größere Wohlthäter sey,und wie viele Fürsten suchen jetzt blos darin ihre Fürst-lichkeit, daß sie fürstlich wachen, rathen und helfenSanfter und milder sind wir geworden, angenehmerunsern Nebenmenschen, das Abschreckende, welcheswir für unsre Brüder hatten, ist abgeschliffen, höfli-cher und feiner sind wir in unserm Betragen. Ja,was noch mehr ist, wir sehen, damit wir den Glau-ben an die Tugend unsers Zeitalters nicht verliehrenmöchten, zwischen einem Gewirre von fürchterlichenGräueln und Schandthaten, die vornehmlich unſerletztes Jahrzehend befleckt haben, oft die schönstenEdelthaten hervorschimmern. Neben den gröbstenB 2