9415unserm Gutfinden, handeln jedesmal für unsern Vor-theil und für unser Vergnügen, achten nicht auf Ge-wissen und nicht auf Gesetz, als blos dann, wenn unsdie Folgſamkeit dagegen Nutzen oder Vergnügen bringt,vergessen alle menschliche und christliche Würde. Nurder Gläubige hat eine ſichere Richtſchnur für ſein Verhal-ten; er weiß, daß die Vorsehung nach Absichten thätig istund für diese Absichten wirkt er mit; er weiß, Gott willuns zur Erkenntniß der Wahrheit führen, und Wahr-heit erforschet und verbreitet er, so viel er kann; erweiß, Gott will uns Frieden und Heil bescheren, unddieses Heils, dieses Friedens würdig zu werden, dar-auf geht sein Tichten und Trachten.Lasset uns endlich erwägen, daß wir ohne diesenGlauben an Gottes Vorſehung hoffnungslos derZukunft entgegengehen würden. Ach,wenn nur der Zufall die Welt regierte; wenn wirbefürchten müßten, daß diese Gräuel der Zeit keinGutes, dieser Kampf keinen Sieg, diese Thorheitenkeine Weisheit, diese Unordnungen keine Ordnung,unsre Seufzer und Gebete keine Erhörung bringenwürden; saget, mit welchem Jammer müßten wirdann jeden neuen Abschnitt der Zeit anfangen, mitwelchen Klagen müßten wir den Wechsel des Jahresfeyern, mit wie viel Thränen müßten wir dann dieSchwelle des neuen Jahrhunderts benetzen! Danngäbe es in der That keinen klügern Wunsch, als den
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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