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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
Entstehung
Seite
41
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IBN DIHJA 4i

Königs, und ihr Name war Nüd 1 ) nach seinem Alter, und er antwortete ihrim Scherz:Zwanzig Jahre."Welcher Zwanzigjährige," sagte sie da zumDolmetscher,hat denn solch graues Haar?"Warum nimmst du daran An-stoß?" sagte er zum Dolmetscher,hast du noch nie ein Füllen gesehen, wiees geworfen wurde und das grau war?" Da lachte Nüd und geriet über seineRede in Bewunderung. Al-Gazäl improvisierte hierüber folgende Verse:

Du bist belastet, 0 mein Herz, mit quälender Liebessehnsucht,

Du bekämpfst in ihr einen Löwen 2 ).

Ich bin verliebt in eine Normannin,

Die der Sonne der Schönheit nicht unterzugehen gestattet,

Im äußersten der Lande Gottes, wo der,

Welcher zu ihm fortgeht, keinen Pfad findet.

O Nüd, o schöne junge Frau, die

Von ihren Knöpfen (azrär) einen Stern aufgehen läßt 3 ),

O du 4 ), für die ich meinen Vater hingäbe, nicht sehe ich

Für mein Herz Angenehmeres und Süßeres.

Wenn ich eines Tages sage, daß mein Auge

Etwas ihr Gleiches sah 5 ), kann ich nicht umhin zu lügen."

Sie sprach:Ich sehe seine beiden Stirnlocken schon erbleicht"

Im Scherz, der meinen Scherz herausforderte.

0 du," erwiderte ich ihr,für die ich meinen Vater hingäbe, siehe:

Das Füllen wird ebenso geboren: grau." (S. 19.)

Da lachte sie, meine Antwort bewundernd,

Und ich hatte nur gesprochen, damit sie bewundere.

Wäre dieses Gedicht von 'Omer ibn Abi Rabi'a*) überliefert oder von Besch-schär ibn Burd 7 ) oder von 'Abbäs ibn al-Ahnaf 8 ) oder von einem, der diesen Pfadwandelte von den klassischen Dichtern, so hätte man es zweifellos wundervollgefunden. Nur der Umstand, daß der Dichter ein Spanier war, hatte zur Folge,daß es in Vergessenheit geriet. Sonst wäre es nicht im Dunkeln geblieben. Einsolches Gedicht verdient nicht, daß es keine Beachtung findet. Gibt es etwas Schö-neres als seinen Vers:Die der Sonne der Schönheit nicht unterzugehen gestattet",oder als den ersten Vers dieses Bruchstückes, oder als seine Erzählung von der

') t>»j Der Auslaut ist durch den Innenreim auf ru'd in dem folgenden Gedicht, Vers 4,gesichert; der Anlaut könnte leicht aus £^4 Tüd (-trüd?), ^^j Thüd usw. entstellt sein. Dasie eine Königstochter genannt wird, wird der Name vermutlich in einer andern Dynastie zusuchen sein; denn die Macht ihres Gemahls reichte bis Spanien.

a ) Das Versmaß des Originals ist Sarf:

*) Auch Ibn Fadlän (Jäqüt II S. 838 Z. 1) erwähnt die goldenen Knöpfe (azraru dhahabin)am Kaftan des Warägers, dessen Verbrennung er beiwohnte.

*) Eigentlich: Person; daher hat das Arabische im Folgenden Masculina.

6 ) Wegen des Metrums ist hier bereits muschabbaho (vulgär für klassisch muschabbahahu)zu vokalisiercn.

) Berühmter arabischer Minnesänger; vgl. namentlich Paul Schwarz, 'Umar ibn Abi Rabf a,ein arabischer Dichter der Umajjadenzeit, Leipzig 1893.

') Ein blinder Bagdader Dichter, der 783 starb.

*) Lebte gleichfalls in Bagdad zur Zeit des Härün ar-Rasch5d; Proben seiner Poesie undNachrichten über ihn bei Ibn Qotaiba, Liber poesis et poetarum, ed. de Goejc, S. 52528; Kitäbal-agan!, 1. Ausg., 8. Bd., S. 1527 und sonst.