EINLEITUNG.
Wenn man gesehen hat, mit welchem Fanatismus die Balkanvölker, vor allemdie Griechen, die Zeugen osmanischer Kultur ausrotteten, herrliche Moscheen ver-unstalteten, Bibliotheken vernichteten, Archive verwüsteten und selbst Marmor-steine zertrümmerten, wird es verständlich, wie die Riesenbibliotheken des isla-mischen Mittelalters, über die wir Grohmann 1 ) neuerdings einen wertvollen Aufsatzverdanken, bis auf verhältnismäßig geringe Reste vom Erdboden verschwinden- konnten. So sollen die Kreuzfahrer zu Tripolis eine Bibliothek von drei MillionenBänden verbrannt haben 2 ). Die Bibliothek des Chalifen Hakam II. zu Cordova(t 976) soll 400000 Bände umfaßt haben und enthielt jedenfalls auch wertvolleBerichte über das Abendland, die bis auf wenige Trümmer dem fanatischen Eiferdes Kardinals Jimenez und seiner Gesinnungsgenossen zum Opfer gefallen seindürften. Diese Trümmer sind uns vielfach nur als kürzere oder längere Zitate ingeographischen Werken wie Jäqüt, Bekri, Qazwim und sonst, wie bei Ibn Dihja,Guzüli 3 ) und sogar in der Anekdotensammlung des Persers 'Auf! 4 ), der vielleichtaus dem neuerdings von Herzfeld in Meschhed wiederentdeckten Geographen, de9 Samanidenreichs Dschaihänt schöpfte, erhalten. Schon 1889 begann ich zu-nächst mit F. W. K. Müller einen „Nachweis arabischer und anderer orientalischerQuellen zur Geschichte der Germanen im Mittelalter" (51 S.), dann 1890 alleineine „Erweiterte Übersicht über die arabischen und anderen morgenländischenQuellen zur deutschen Geschichte" (54 S. mit mehreren Ergänzungen von aus-gegangenen Bogen); in kleiner Auflage autographiert und privatim versandt,fanden beide Publikationen nicht das Interesse, das zur Fortführung ermutigthätte, obwohl sie zum erstenmal den Bericht über den Tod Friedrich Barbarossasvon einem Augenzeugen, ein Minnelied eines arabischen Dichters auf eine nor-mannische Fürstin 6 ) und anderes brachten.
Als Reisende arabischer Zunge in Nordeuropa kommen hauptsächlich inBetracht Ibn Fadlän, der 922 dem Begräbnis eines heidnischen Warägcrs in Bulgärbeiwohnte, und dessen vollständiger Gesandtschaftsbericht neuerdings in Meschhed
x ) Adolf Grohmann, Bibliotheken und Bibliophilen im islamischen Mittelalter: Sonderabzugaus der Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Bestehens des Gebäudes der Nationalbibliothekin Wien, Wien 1926, S. 431—442.V Grohmann, a. a. O. S. 437.
) Inostrancev, Note sur les rapports de Rome et du Califat abbaside au commencement duXime s ii cle . Rivista degli Stu(li Orientali Vol. IV, S. 81—86.
) Vgl. Jos. Markwart (jetzt sol), Ein arabischer Bericht über die arktischen Länder aus dem10. Jahrhundert: Ungarische Jahrbücher, Bd. 4, Heft 3/4, S. 261—334.
) Vgl. nunmehr auch: A. Fabricius, L'ambassade d'al-Ghazal aupres du roi des Normands:Actes du 8. Congres international des orientalistes tenu en 1889 ä Stockholm et ä Christiania,Section I, fasc. I, S. 121 — 131.
Jacob, Arabische Berichte. I