IBN DIHJA 39
Jedes Ding vergeht außer seinem Angesicht; er regiert, und zu ihm ist die Rück-kehr 1 )'". Darauf erklärte ihm der Dolmetscher, was er gesagt hatte. Der Königbewunderte die Rede und sagte: „Dieser ist ein Weiser und Kluger seines Volkes",und er bewunderte, wie er sich beim Eintritt auf die Erde gesetzt und seine Füßevorgestreckt hatte und sagte: „Wir wollten ihn demütigen, aber er kehrte unsernGesichtern seine Schuhsohlen zu, und wäre er nicht ein Gesandter, so hätten wirfürwahr dieses ihm nicht ungerügt durchgehen gelassen!"
Darauf übergab er ihm das Schreiben des Sultan 'Abdurrahmän, und dasSchreiben wurde (S. 16) vor ihm verlesen und ihm übersetzt. Er fand es schön,nahm es in seine Hand, hob es empor und steckte es dann in seinen Busen. Daraufbefahl der (al-Gazäl), das Geschenk zu bringen und die Truhen, die es enthielten,zu öffnen, und er (der König) nahm alles, was sie enthielten, an Kleidern und Ge-fäßen in Augenschein, war auf das Höchste davon befriedigt und erlaubte ihnen(den Gesandten), sich in ihre Herberge zurückzuziehen, woselbst er für reichlicheVerpflegung Sorge trug.
Al-6azäl hatte mit ihnen erwähnenswerte Sitzungen und berühmte Wett-streite; in einigen von ihnen disputierte er mit ihren Gelehrten und brachte siezum Schweigen, und in anderen schoß er mit ihren Helden um die Wette und stachsie ab.
Als die Frau des Normannenkönigs von al-Gazäl gehört hatte, beschied sieihn zu sich. Als er bei ihr eingetreten war, brachte er seinen Gruß dar, dann blickteer sie lange an, sie bewundernd betrachtend. Da sagte sie zu ihrem Dolmetscher:„Frage ihn, warum er mich anstarrt, ob, weil er mich besonders schön findet, oderaus dem entgegengesetzten Grunde." „Nur deshalb," antwortete er, „weil ichnicht vermutete, daß es auf der Welt einen Anblick gleich diesem gibt. Wohlhabe ich bei unserm König Frauen gesehen, die für ihn aus allen Nationen aus-erwählt waren, aber niemals sah ich unter ihnen Schönheit, welche dieser gleich-kam." Da sagte sie zu ihrem Dolmetscher: „Frage ihn, ob das sein Ernst ist oderob er scherzt." „Nein," erwiderte er, „mein voller Ernst." „Gibt es in ihrem Landedenn," fragte sie, „keine schönen Frauen?" Da sagte er: „So präsentiert mireinige von euren Frauen, damit ich sie an ihnen messen kann." Die Königin sandtenun nach Frauen, die wegen ihrer Schönheit bekannt waren, und sie erschienen.Da ließ er seine Augen an ihnen emporsteigen und hinabgleiten und sagte dann:„Sie sind schön, aber nicht so schön wie die Königin, denn deren Schönheit undentsprechende Eigenschaften kann kein einziger voll erfassen, und nur die Dichterkönnen sie zum Ausdruck bringen; wenn es der Königin genehm ist, daß ich ihreSchönheit, ihren Wert und ihre Klugheit in einem Liede feiere, das in allen unsernLanden von Mund zu Mund geht, will ich es tun." Die Königin war darüber sehrerfreut, fühlte sich geschmeichelt (zuhijat) und ließ ihm ein Geschenk überreichen.Al-Gazäl weigerte sich jedoch, es anzunehmen und sagte: „Ich tu es nicht." Sieaber sagte zum Dolmetscher: „Frag ihn, warum er mein Geschenk nicht annehmenwill, ob, weil er es verachtet, oder weil er mich verachtet?" Und er richtete anihn die Frage, worauf al-Gazäl erwiderte: „Ihr Geschenk fürwahr ist großartig,und es von ihr zu empfangen, eine hohe Ehre, denn sie ist eine Königin und eineKönigstochter. Aber mir genügt als Geschenk, sie anzuschauen und freundlichvon ihr empfangen zu werden; das ist ausreichend für mich (S. 17) als Geschenk.
*) Zitat aus Qor&n, Sure 28, Vers 88; nur das letzte Wort turdscha'üna (werdet ihr zurück-gebracht) hat er höflicher in al-mardscha' (die Rückkehr) verändert.