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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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38 IBN DIHJA

Dann erholte sich al-Gazäl von dem Schrecken jener Meere und den Gefahren,in denen er geschwebt hatte, und erreichte als erstes Land der Normannen eine vonihren Inseln. Sie verweilten auf ihr einige Tage, besserten ihre Schiffe aus und gönntensich Erholung. Das Schiff der Normannen fuhr zu ihrem König voraus und meldeteihm, daß die Gesandten mit ihnen eingetroffen seien, worüber er erfreut war.Er sandte nach ihnen, und sie begaben sich zu ihm nach seiner königlichen Residenz.Das ist eine große Insel 1 ) im Weltmeer, auf der es strömende Wasser und Gärtengibt. Zwischen ihr und dem Festlande sind drei Wasserläufe, und sie messen300 Meilen 2 ). Auf ihr wohnen unzählige Normannen. In der Nähe von jenerInsel befinden sich zahlreiche Inseln, kleine und große. Ihre Bewohner sind (S. 15)alle Normannen; und was ihnen vom Festland nahe liegt, gehört ihnen auch,Tagereisen weit. Sie waren Heiden 3 ), heute aber bekennen sie sich zum Christen-glauben und ließen den Feuerkult und die Religionen, welche sie hatten, und be-kehrten sich zum Christentum, mit Ausnahme der Bewohner einiger ihrer Inselnvon ihnen, die isoliert im Meere liegen, welche die alte Religion beibehaltenhaben, nämlich den Feuerkult, das Heiraten von Mutter und Schwester*) undverschiedene andere Schändlichkeiten. Diese bekämpfen sie und schleppen siein die Sklaverei.

Der König 6 ) ließ ihnen (den Gesandten) eine schöne Herberge von ihren Her-bergen anweisen und ordnete Leute ab, um sie zu empfangen. Die Normannenströmten herbei, sie zu betrachten, und da sahen sie ihr blaues Wunder (al-'adschebal-'adschtb) an deren äußerer Erscheinung und ihren Trachten. Dann brachte mansie in zuvorkommender Weise unter, und sie verweilten dort einen Tag.

Nach zwei Tagen ließ sie der König zur Audienz laden, und al-Gazäl stellteihm die Bedingung, daß er sich nicht vor ihm niederzuwerfen brauche (allä jas-dschuda lahu) und er ihn und seinen Begleiter nicht nötige, in irgend etwas von ihrenBräuchen abzuweichen, was er ihnen zusagte. Als sie aber nun beide zu ihm gingen,saß er zu ihrem Empfang in seinem schönsten Schmuck und hatte angeordnet,den Eingang, durch welchen man zu ihm gelangte, so niedrig zu machen, daßniemand zu ihm eintreten konnte, ohne sich zu verbeugen. Als nun al-Gazäl zumEingang kam, setzte er sich auf die Erde, streckte seine Füße vor und rutschteauf seinem Hintern; wie er aber die Tür passiert hatte, richtete er sich auf. DerKönig hatte sich für ihn in Positur gesetzt (a'adda lahu) und sich reichlich mitWaffen und vollständigem Ornat geschmückt; aber nicht imponierte das demal-Gazäl, noch machte es ihn befangen, vielmehr blieb er aufrecht (mäthilan) vorihm stehen und sagte:Friede sei über dir, o König und über die, welche dein Thron-saal vereint, und hochachtungsvoller Glückwunsch sei dir (dargebracht). Mögestdu unaufhörlich genießen der Macht, der Fortdauer und des Edelsinns, der dichzum Gipfel der irdischen Welt führt und der jenseitigen, die mit Bestand ver-bunden ist, unter der Protektion (dschiwär) des Lebendigen und Unwandelbaren;

*) Für Insel und Halbinsel hat das Arabische nur ein Wort; es kann Seeland, aber auch Jüt-land gemeint sein.

s ) Syntaktisch kann diese Angabe auch auf die Insel bezogen werden; also: sie mißt.

*) Der Name Madschüs hat den Bedeutungswandel Magier, Feueranbeter, Heiden, Nor-mannen durchlaufen.

4 ) Vgl. Karl Weinhold, Altnordisches Leben, S. 244.

8 ) Da die Gesandtschaft wahrscheinlich ins Jahr 845 fiel, wird der König, wie Fabriciu»a. a. O. S. i28ff. ausführt, Haric (Eric) I. (t 854) gewesen sein. Der Schauplatz war, da dieserKönig doch wohl mit dem in der Heimskringla (Niedners Übertragung) I, S. 110, genannten KönigErich von Jütland identisch ist, vermutlich Jütland.