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Gewalt haben. Sie reiten die Rosse und nehmen den Krieg selbst in die Hand.Beim Zusammenstoß zeigen sie große Tapferkeit. Auch haben sie Sklaven. JederSklave begibt sich der Reihe nach in der Nacht zu seiner Herrin, bleibt bei ihr dieLänge seiner Nacht und erhebt sich mit dem Morgengrauen und geht heimlichbei Tagesanbruch hinaus. Wenn dann eine von ihnen einen Knaben gebiert, tötetsie ihn auf der Stelle; wenn sie aber ein Mädchen gebiert, läßt sie es leben. A\-Tartüschi sagt: Die Stadt der Frauen ist eine Tatsache, an der kein Zweifelbesteht 1 ).
[S. 409] MAGÄNDSCHA (Mainz)
ist eine sehr große Stadt, von der ein Teil bewohnt und der Rest besät ist. Sieliegt im Frankcnlande an einem Fluß, der Rin genannt wird, und ist reich anWeizen, Gerste, Dinkel (sult) a ), Weinbergen und Obst. Dort gibt es Dirhemeaus der Samarqander Münze vom Jahre 301 (913/14 D) und 302 (914/15 D) mitdem Namen des Münzherrn und dem Datum der Prägung. At-Tartüschi sagt:Ich halte sie für Münzen des Samaniden Na§r ibn Ahmed 3 ). Seltsam ist auch,daß es dort Gewürze gibt, die nur im fernsten Morgenlande vorkommen, währendsie (die Stadt Mainz) im fernsten Abendland liegt, z. B. Pfeffer, Ingwer, Gewürz-nelken, Spikanardc 4 ), Costus und Galgant; sie werden aus Indien importiert, wosie in Menge vorkommen.
AUS DEM 5. KLIMA.
[S. 334] IFRANDSCHA (Franken)
ist ein großes Land und weites Königreich in den Christenlanden. Seine Kälteist ganz fürchterlich und seine Luft dick wegen der übergroßen Kälte. Es ist reichan Gütern, Obst und Feldfrüchten, ergiebig an Flüssen und besitzt Ackerbau undViehzucht, Bäume und Honig; sein Wild ist artenreich; auch gibt es dort Silber-bergwerke. Man schmiedet dort sehr scharfe Schwerter; und die fränkischenSchwerter sind schneidiger als die indischen.
Seine Bewohner sind Christen und haben einen König kühn, mannenreichund voll Herrscherkraft. Ihm gehören zwei oder drei Städte am diesseitigenMeeresstrandc 5 ) inmitten der Lande des Islam, und er schirmt sie von jener Seiteaus; so oft die Muslime ein Heer absenden, sie zu erobern, sendet er von jener Seite
l ) Es ist charakteristisch, daß der arabische Diplomat den Kaiser als Gewährsmann nichtnennt, während der jüdische Handelsmann sich mit dieser Beziehung brüstet.
j S. oben, Artikel Rouen, S. 28 Fußnote 7.
*) Die Samaniden waren eine um Ncubelebung der persischen Kultur hochverdiente Dynastie,die zu Buchara residierte. Unter Nasr ibn Ahmed, der von 914—43 regierte, verfaßte sein WesirDschaihäni sein großes, auch für Nordeuropas Geschichte wichtiges geographisches Werk, das,lange als verloren beklagt und nur in Zitaten bekannt, jetzt in Persien entdeckt sein soll. UnterNasr blühte der Dichter Rudaki, ein Vorläufer des Hafiz, unter Nasr wurde Kaiila und Dimna insNeupersische übertragen. Samanidendirhems bilden bekanntlich den Hauptbestand der in Ruß-land, Schweden und Ostdeutschland massenhaft auftretenden arabischen Münzen, die meist dem'O. Jahrhundert angehören. Bezüglich des Ortes hat sich 'Udhrt oder sein Gewährsmann Tar-tüschi möglicherweise geirrt; man würde wenigstens eher erwarten, daß er sie in Schleswig ge-sehen hat.
4 ) Eine in Ostindien heimische Baldrianart Valeriana spica.
6 ) Dieser Passus stammt demnach nicht aus al-'Udhri, sondern aus späterer Zeit.