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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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qazwIn!

BORDH1L 1 ) (Bordeaux)ist eine Stadt in der Gegend des Frankenlandes, reich an Wasser, Bäumen, Obstund Getreide (hubüb). Die Mehrzahl ihrer Bewohner sind Christen. Dort gibtes ein hohes Gebäude auf großen Säulen 4 ). Am Strande dieser Stadt (S. 390)wird vortrefflicher 3 ) Ambra gefunden. Man erzählt, daß, wenn sie einen strengenWinter haben und die Meerschiffahrt unterbrochen ist, sie nach einer in der Nähebefindlichen Insel gehen, die Enwäti genannt wird. Dort gibt es eine Baumart,welche mädiqa*) heißt; wenn sie nun Hunger quält, schälen sie diesen Baum undfinden zwischen seiner Rinde und seinem Holz eine weiße Substanz 8 ), und sienähren sich von ihr ein, zwei Monate und mehr, bis milde Witterung eintritt.Dort gibt es einen Berg, der über sie und den Ozean hinausragt. Auf ihmbefindet sich ein Götzenbild, und das schaut aus, als ob es den Leuten sagte, siesollen doch das Unternehmen, auf dem Ozean zu reisen, aufgeben, damit nicht einervon denen, die aus Bordhil herausgehen, Lust bekomme, das Meer zu befahren(welcher Verlangen hat, auf ihm zu reisen).

[S. 396] RODÜM") (Rouen)ist eine Stadt im Frankenlande aus symmetrisch angeordneten Steinen am FlußSche'ne (Seine) erbaut, Reben und Bäume gedeihen dort gar nicht, aber Weizenund Dinkel (sult) 7 ) gibt es dort viel. In ihrem Flusse fängt man einen Fisch, dersalmün (Salm = Lachs) genannt wird und einen andern kleinen Fisch, der wie eineGurke schmeckt und riecht, und es wird berichtet, daß dieser Fisch sich auch imNil befindet und *air 8 ) genannt wird. At-Tartüschi erzählt, daß er in Rodümeinen jungen Mann sah, dessen Bart seine Kniee erreichte. Da kämmte er ihn,und er hing von seinen Knieen um vierFinger" 9 ) herab, und er hatte einenschwachen Backenbart, und er versicherte, daß er ihn erst sechs Jahre trage.Auch erzählte er (nämlich at-Tartüschi) 10 ), daß im Winter bei großer Kälte in

l ) Das arabische Konsonantengerippe gestattet die Aussprache Burdhijala, was dem altenBurdigäla noch ziemlich nahe kommen würde. Das Meer von BordU erwähnt auch Abulfida':Seippel, Rerum Normannicarum fontes Arabici, S. 48.

*) Die erst 1677 durch Vauban völlig zerstörte Tutela. Abbildungen: Les Pilliers de Tutellc,reproduetion r^duite de la gravure publice dans l'Ausone de Vinet, en 1580 in den Archive* muni-cipalcs de Bordeaux tome complcmentaire (Bordeaux vers 1450 description topographique parLeo Drouyn), Bordeaux 1874, S. 421 und Le temple de Tutelle ä Bordeaux d'apres une gravuredu XVIe siecle bei Camille jullian, Gallia, Paris 1892, S. 150.

*) Nach Mas'üdt, Murüdsch edh-dhahab I, S. 366 war der spanische Ambra von geringererQualität als die östliche.

*) Suchicr: mädiqa = prov. mastiguc, mastic zu mastegar kauen.

*) Wohl Cambium. Rinde als Hungernahrung: Niederlausitzer Mitt. II, 1892, S. 251. InBrot verbacken häufig z. B. in Finnland.

*) So nach der Berliner Handschrift, Diez 133, S. 423, nach Wüstenfclds Text: Rodhüm.

') Nach Rcdhouse (triticum spelta); dagegen sagt A. v. Kremer, Culturgeschichte des Orients1, S. 55:solt, d. i. eine Gerstenart ohne Hülse (Hordeum nudum)".

") Da der Fisch auch in der bekannten ägyptischen Fischliste Jäqüt I, 886, 5, Qazwint II,119, 21, genannt wird, handelt es sich um ein arabisches und kein fränkisches Wort wie bei salmün.Wahrscheinlich aber ist an allen drei Stellen 'aid zu lesen, denn Leo Hirsch berichtet Reisen inSüdarabien, S.24, von Schehr:Der'Aid (Jyue), ein kleiner sardinenartiger Fisch, wird in solchenUnmassen gefangen, daß der Überschuß davon als Dünger für den Tabak und die TranfabrikationVerwendung findet." Auch sonst an der südarabischen Küste spielt der 'aid eine wichtige Rolle,s. Hirsch a.a.O., S. 40, 6i, 85.

*) Name eines arabischen Längenmaßes, heute etwas weniger als 3 cm. Vgl. Ibn al FaqSh, S. 5.10 ) Es handelt sich also bei Tarjüsch! um mündliche Berichte von seiner Reise.