26 QAZWlNt
Lande gibt es kein Holz, das sie zum Brennen verwenden könnten, sondern nureinen Lehm, der die Stelle des Brennholzes vertritt. Das geschieht in der Weise,daß sie im Sommer, wenn die Wasser ausgetrocknet sind 1 ), auf ihre Wiesen gehenund dort den Lehm mit Beilen in Ziegelform schneiden. Ein jeder schneidet sichvon ihm, so viel er braucht und breitet ihn an der Sonne zum Trocknen aus. Infolgedavon wird er sehr leicht. Bringt man ihn ans Feuer, so entzündet er sich, unddas Feuer erfaßt ihn, wie es Brennholz erfaßt, und er macht ein großes Feuer mitmächtiger Glut wie das Feuer eines Blasebalgs der Glaser. Ist ein Stück verbrannt,so hinterläßt es keine Kohle, sondern Asche.
IRLÄNDA (Irland) 2 )
ist eine Insel im Nordwesten des 6. Klimas. Al-'Udhn sagt: Die Normannen(Madschüs) haben keinen festen Wohnsitz außer dieser Insel auf der ganzen Welt.Ihr Umfang ist IOOO Meilen. Die Bewohner haben normannische Sitte und Klei-dung. Sie tragen Burnuse 3 ), von denen der Wert eines einzelnen ioo Goldstückebeträgt, und die Vornehmen (aschräf = Scherifen) tragen Burnuse mit Perlenbesetzt. Man erzählt 4 ), daß sie an ihren Küsten junge Walfische 5 ) jagen, und dasist ein großer Fisch. Sie jagen ihre Jungen und essen sie als Zukost*). Diese Jungen,sagt man, werden im Monat September geboren, und man fängt sie im Oktober,November, Dezember und Januar, in diesen vier Monaten. Später dagegen istihr Fleisch zäh und taugt nicht zum Essen. Über die Art ihres Fanges berichtet 7 )al-'Udhri, daß die Jäger sich auf Schiffen sammeln. Sie haben eine große eiserneKlinge (neschil 8 )) mit scharfen Zähnen, und an der Klinge befindet sich ein großerstarker Ring, und an dem Ringe ein starkes Tau. Wenn sie nun ein Junges erreichen,schlagen sie in ihre Hände und lärmen 9 ). Dann amüsiert sich das Junge über dasHändeklatschen und nähert sich (S. 389) zutraulich den Schiffen. Einer der
*) Statt chaffat des Textes ist, worauf mich zuerst Professor J. Barth f aufmerksam machte,dschaffat zu lesen. Das Torfstechen beginnt bei uns im Mai, in Friesland jedoch nach Mitteilungvon Prof. Siebs bereits im März. Auch hier gewinnen wir demnach einen Anhalt dafür, daß Tar-tüschi, auf den der Bericht zweifellos zurückgeht, im ersten Frühling reiste. Daß die Torfmooredem Südländer etwas Fremdartiges sind, kommt daher, daß zur Torfbildung eine Unterbrechungder Vegetation durch Kälte erforderlich ist.
*) Vielleicht ist mit Hinzufügung eines Punktes Izlända (Island) zu lesen.
') Über burnus vgl. mein Altarabisches Beduincnlcben S. 43/44 und Enno Littmann, Mor-genländische Wörter im Deutschen, 2. Aufl., Tübingen 1924, S. 95. Über normannische Trachtvgl. Hjalmar Falk, Altwestnordische Kleidcrkunde, Kristiania 1919, Über Warägertracht IbnRosteh S. 146, Jäqüt II S. 834/5.
4 ) Es ist wohl besser, passivisch wa-hukija zu vokalisieren, da man bei Bezugnahme aufal-Udhrl wa-qäla erwarten würde, trotz Stellen wie Qazwin5 II, S. 243, Z. 3: haka "an nafsihi.
6 ) Firäch al-iblinija, wörtlich Walfischküken.
•) Brehms Tierleben, Große Ausgabe, 2. Aufl., I. Abt. 3, 1877, S. 683: „Kleine Wale weidetman aus, zerhackt sie alsdann in Stücke und kocht diese." 4. Aufl., Säugetiere 3, S. 441, 1915,von Island: „Die Walfische wählen immer dieselbe Bucht, um ihre Kälber abzulegen . . . Man nimmtdie Jungen, verschont aber die Alte."
') J. Barth verlangt die Lesung fa-dhakara wegen des vorangehenden ammä.
8 ) Nach Redhouse: a light, narrow-bladed sword.
*) Hier wird der junge Wal vielleicht mit dem ihm nah verwandten Delphin verwechselt,dessen Fang Brehm (4. Aufl., Säugetiere 3, S. 459) nach Pechuel-Lüsche in genau entsprechenderWeise schildert. Doch berichtet Konrad v. Megenberg auch vom walvisch (cd. Pfeiffer, S. 248):„wan sfl er hoert Schalmeien und ander sücz gedoen, so nachent er zuo den läuten und also vaehtman in."