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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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Ihre Getränke und Weine stellt der Honig dar.

Al-Mas'üdi 1 ) sagt: Die Slawen zerfallen in viele Stämme. Zu ihren Stämmengehören as-§räba (Sorben), Duläba (Duleben), Nämdschin 2 ) dieser Stamm ist dertapferste und kriegerischste von ihnen, ein Stamm, der Serben genannt wirdund der ist bei ihnen gefürchtet, ein Stamm, der Mizäza genannt wird, dieHairawäs 8 ), Säsin und Hschäbin (Kasuben). Von diesen Stämmen bekehrten sicheinige zur christlichen Religion, und zwar zur jakobitischen Sekte; einige aberhaben kein Offenbarungsbuch, folgen keinem religiösen Gesetz und sind Heiden.Der Stamm des Königs gehört zu den letzteren.

Der Stamm, von welchem wir sagten, daß er Serben heißt, verbrennt sich imFeuer, wenn ihr Oberhaupt stirbt, auch verbrennen sie ihre (so!) Reittiere; siehaben Gebräuche gleich den Gebräuchen der Inder, wiewohl diese zum Osten ge-hören und vom Westen weit entfernt sind 4 ). Bei dem Verbrennen der Leichesind sie in fröhlicher Feststimmung (S. 41) und geben als Grund ihrer festlichenFreude an, daß sein Herr (Gott) sich über ihn (den Toten) erbarmt habe. DieFrauen des Verstorbenen zerschneiden sich ihre Hände und Gesichter mit Messern;und wenn eine von ihnen behauptet, daß sie ihn liebe, hängt sie einen Strick auf,steigt zu ihm vermittels eines Schemels empor und umwickelt sich mit dem Strickfest den Hals; darauf wird der Schemel unter ihr weggezogen, und sie bleibt zappelndhängen, bis sie stirbt. Darauf verbrennt man sie, und sie ist mit ihrem Gatten vereint.Ihre Frauen begehen, wenn sie einmal geheiratet haben, durchaus keinen Ehe-bruch. Wenn hingegen ein Mädchen einen Mann liebt, begibt sie sich zu ihm undbefriedigt ihre Leidenschaft. Wenn aber ein Mann eine Frau nimmt, und findetsie dann als Jungfrau, so sagt er zu ihr:Wäre Gutes an dir, dann hätten dieMänner dich begehrt und du hättest dir einen auserwählt, der dir deine Jungfrau-schaft genommen hätte", jagt sie fort und ist sie los (wa-jabta'u minhä).

Die Slawenländer sind sehr kalt; und am stärksten ist die Kälte bei ihnendann, wann die Nächte mondhell und die Tage klar sind (ashat 6 )); dann wird esmächtig kalt, und der Frost wird stark; die Erde versteinert, sämtliche Getränkefrieren ein, und Brunnen und Sprudel') überziehen sich wie mit Gips, so daß sieschließlich wie Stein werden. Wenn die Leute sich die Nase schnauben (istan-thara), so bedecken sich ihre Barte mit Eisscheiben, die wie Glas sind, und siebrechen sie ab, bis sie sich am Feuer wärmen oder unter Dach kommen. Wenn aberdie Nacht finster und der Tag nebelig ist, dann schmilzt das Eis'), und die Kälteläßt nach. Um diese Zeit werden die Schiffe zertrümmert, und ihre Insassen kommenum, denn es kommen von dem Eis der Ströme dieser Länder Schollen wiefest-verankerte" Berge 8 ) auf sie los. Manchmal aber gelingt es einem jungen undgewandten (dschald) Manne sich einer solchen Scholle zu bemächtigen und sichauf ihr zu retten.

Bäder haben sie nicht; sie nehmen sich nur eine hölzerne Bude 9 ) und ver-stopfen ihre Ritzen (chasäs) mit etwas, das sich auf ihren Bäumen bildet (S. 42),

) Dieser bedeutende, vielgereiste Geograph und Historiker starb 955 oder 956 D.

) So nach Codex Landberg, gemeint sind natürlich die Deutschen.*) Nach Rosen die Kroaten; Mizäza entstellt aus Maräwa (Mähren).4 ) Vgl. S. 31: Qazwinis Artikel Mainz.

) Das Teschdtd über dem' in der Ausgabe von Kunik & Rosen ist zu tilgen.*) Faid nach Rosens Konjektur, Text: baid (EicrY

7 ) Statt jatadschalla 'd-darib lese ich jatahallalu d-darib.

8 ) Koranische Phrase, vgl. Sure 13, 3.*) bait Zelt, Haus.

J*cob. Arabische Berichte. 2