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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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3000 Gepanzerte, und das sind Krieger 1 ), von denen das Hundert 10000 andereaufwiegt. Er gibt den Mannen Kleider, Rosse, Waffen und alles, was siebrauchen. Wird einem von ihnen ein Kind geboren, so befiehlt er sofort An-weisung des Unterhalts, ob es nun männlich oder weiblich sei, und wenn esgeschlechtsreif geworden ist, verschafft er ihm, wenn es männlichen Geschlechtesist, eine Frau und entrichtet für es die Heiratsgabe (nihle) an den Vater desMädchens; ist es aber ein Mädchen, verheiratet er es und gibt die Heiratsgabedem Vater desselben. Die Hochzeitsgabe ist bei den Slawen groß, und ihrVerfahren dabei ist wie das der Berber. Werden einem Manne 2 oder 3 Töchtergeboren, so sind sie der Grund seines Reichtums, werden ihm aber (S. 37) Söhnegeboren, so verarmt er.

Es grenzen an Mescheqqo im Osten die Rüs und im Norden die Brüs (Preußen).Die Wohnsitze der Brüs sind am Weltmeer; sie haben eine Sprache für sich ('alähidatin); die Sprachen ihrer Nachbarvölker verstehen sie nicht. Wegen ihrerTapferkeit sind sie bekannt. Wenn ein Heer zu ihnen kommt, wartet 2 ) niemandvon ihnen, bis sein Kamerad zu ihm stößt, sondern geht, ohne sich um jemand zukümmern, vor und schlägt mit seinem Schwerte drein, bis er fällt. Die Rüs näm-lich überfallen sie auf Schiffen von Westen her.

Im Westen von den Rüs liegt die Stadt der Frauen. Sie besitzen Ländereienund Sklaven. Sie werden von ihren Knechten schwanger, und wenn das Weibeinen Knaben zur Welt bringt, tötet sie ihn. Sie reiten zu Pferde, führen selbstKrieg und besitzen Mut und Tapferkeit. Ibrahim ibn Ja'qüb der Israelit sagt:Der Bericht über diese Stadt ist Wahrheit, Hüto (Otto), der König von Rüm, hatmir davon berichtet.

Im Westen von dieser Stadt lebt ein slawischer Stamm, der das Volk Ubäba*)genannt wird. Er wohnt in sumpfigen Gegenden vom Lande des Mescheqqo nachNordwesten. Sie haben eine große Stadt am Weltmeer, die 12 Tore und einenHafen hat 4 ), und sie verwenden für ihn Reihen Klobenholz. Sie bekriegen denMescheqqo, und ihre Streitkraft ist gewaltig. Sie haben keinen König und lassensich von keinem Einzelnen regieren, sondern die Machthaber unter ihnen sindihre Ältesten.

Was nun den König der Bulgaren 5 ) anlangt, so sagt Ibrahim ibn Ja'qüb: Ich binnicht in seinem Lande gewesen, aber ich sah seine Gesandten in der Stadt Mäzin-

*) Codex Landberg liest statt adschnäd indschäd: eine Hilfe.

*) Codex Landberg hat die richtige Lesung Lit «Jo .

') Wahrscheinlich ist Unäna zu lesen, worin die Unloini des Widukind stecken könnten,s. die folgende Fußnote 4.

*) Es ist offenbar Jumne mit der Jomsburg gemeint, die man mit großer Wahrscheinlichkeitauf Usedom, und zwar nach Schuchhardts Ansicht an dem Pcenemünder Haken der Nordwest-ecke der Insel sucht, nach der von Johannes Paul beim Dorfe Peenemünde, während andere wieBurckhardt Jumne (Vineta), nach Adam von Bremen die größte Stadt Europas, auf Wollin ver-muteten, dessen Name mit den Unloini des Widukind zusammenzuhängen scheint, während dieslawische Etymologie, die auf die Bedeutungfeucht" führt, vgl. Wolgast, Wolga usw.,bedenklich ist. Zur Jomsburg-Vineta-Frage vgl. namentlich Schuchhardt: Sitzungsberichte derBerliner Akademie, Phil.-hist. Kl. 1924, S. 176 und Arkona, Rethra, Vineta, Berlin 1926; Petzsch,Wollin oder die Peenemündung: Unser Pommerland, 10. Bd., 1925, S. 8890; Burckhardt, Virieta:Mannus, 17. Bd., S. 11218; Petzsch, Vineta: Mannus, 17. Bd., 1926, S. 36769; JohannesPaul, Wo lag Vineta?: Sonderabdr. aus der Wissenschaftlichen Festschrift zur 700-Jahr-Feierder Kreuzschule zu Dresden 1926.

*) Bulqädin für Bulqärin ist eine leichte graphische Entartung; d und r sind in der arabischenSchrift oft schwer zu unterscheiden.