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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
Entstehung
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man verkauft bei ihnen 10 Hühner um einen Pfennig. In der Stadt Prag verfertigtman Sättel, Zäume und dicke 1 ) Schilde, die in ihren Ländern im Gebrauch sind.Auch verfertigt man im Lande Böhmen dünne lockergewebte Tüchelchen (munaidi-lät) wie Netze, die man zu nichts anwenden kann. Ihr Preis ist bei ihnen wert-beständig: 10 Tücher für I Pfennig. Mit ihnen handeln sie und verrechnen sich unter-einander. Davon besitzen sie ganze Truhen. Die sind ihr Vermögen, und die kost-barsten Dinge kauft man dafür: Weizen, Sklaven 8 ), Pferde, Gold, Silber und alleDinge. Seltsam ist, daß die Bewohner Böhmens braun und dunkelhaarig sind; derblonde Typus ist bei ihnen wenig vertreten.

Der Weg von Mädifurg 3 ) (Magdeburg) nach dem Lande des Büi?[w] 4 ) undvon da nach der Feste Kalbe 6 ) (S. 36) [beträgt] 10 Meilen und von da nach NübGrad 8 ) (Nienburg) 2 Meilen; das ist eine Feste aus Steinen und Mörtel (särüdsch)gebaut, und sie liegt ebenfalls am Fluß Saläwa (Saale), und in ihn fällt der Fluß Bode.Von der Feste Nienburg bis zum Salzwerk (melläha 7 )) der Juden, und es liegt auchan der Saale: 30 Meilen. Von da nach der Feste Bürdschin 8 ) (Würzen) und sieliegt am Flusse Muldäwa (Mulde) und von da bis zum Rande des Waldes:25 Meilen. Dieser mißt von seinem Anfange bis zu seinem Ende 40 Meilen understreckt sich über unwegsame Gebirge. Dort ist eine hölzerne Brücke über denMorast 9 ) etwa 2 Meilen. Vom Ende des Waldes betritt man die Stadt Bräga (Prag).Was nun das Land des Mescheqqo anlangt, so ist es das ausgedehnteste ihrerLänder, und es ist reich an Getreide, Fleisch, Honig und Fischen 10 ). Er zieht dieAbgaben in gemünztem Gelde 11 ) ein, und dieses bildet den Unterhalt seiner Mannen;in jedem Monat bekommt ein jeder eine bestimmte Summe davon. Er hat

') Nach Codex Landberg x -^ » v., 11 .*) So Codex Landberg, Stambul: Mehl.s ) Text £_j ^Lo .

*) Das w ist an früheren Stellen irrtümlich zum folgenden Wort gezogen, war also in derUrschrift vorhanden und ist hier nur durch Schuld eines Abschreibers weggefallen.5 ) Text ^yjSi8 ) Text ot»x *»->*J; Landberg: v_jljkX <ojo

7 ) Könnte vielleicht im Munde eines Magribiners auch einfachjüdische Siedelung" bedeuten;vgl. z. B. Marcel Cohen, Le parier arabe des Juifs d'Alger, Paris 1912, S. 4, Anm. I :Le nom demellah" est bien connu pour les ghettos du Maroc: le pluriel atteste' ici en ddtermine clairement1 origine; le mot veut dire .saleurs', a cause de la salaison des tetes de condamnds exdcutds, besogneimposde aux juifs." Da aber die Saale vom Salz den Namen hat und Juden auch sonst mit demSalzhandel in Verbindung erscheinen, wird man wohl doch besser an eine Saline denken; West-berg vermutet Dürrenberg a. d. Saale; Halle kommt nach den Wegmaßen kaum in Frage; vgl.auch Siegbert Neufeld, Die Hallcschen Juden im Mittelalter, Berlin o. J. S. 17.

) Text » **?.,* Die IdentifikationWürzen" verdanken wir Schulte; Westberg denktan Nerchau, was graphisch einen Gewaltakt darstellt.

) Noch heute erinnert der Name Brüx = tschechisch Most, das gleichfalls Brücke bedeutet,an diesen alten Prügelweg. Über die einstige Bedeutung solcher Prügelwcge durch Torfmoore,welche die ältesten Brücken darstellen, s. Meringer im I, Bd. der Zeitschrift Wörter und Sachen.Heidelberg 1909, S. 188ff., daselbst auch Abbildungen.

l0 ) De Goeje las hüt statt harth (Ackerland) der Handschriften.) al-mathaqil al-marqtija sind wohl richtig als Marktmünzen gedeutet; die Übersetzungbyzantinische Münzen", die sich bei Wattenbach und andern findet, beruht auf einer ganz will-kürlichen Textveränderung, und auch, davon abgesehen, wäre der gewonnene Ausdruck durchausunwahrscheinlich; auch an Samarqander Münzen, wie sie damals im slawischen Osten und ger-manischen Norden kursierten, und wie sie Tartüschi in Mainz sah, ist kaum zu denken.