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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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Burg, und südlich 1 ) von Grad befindet sich eine Burg, die in einem Süßwasserseeerbaut ist 2 ). So bauen die Slawen die meisten ihrer Burgen: Sie gehen zu Wiesen,reich an Wasser und Gestrüpp, stecken dort einen runden oder viereckigen Platzab nach Form und Umfang der Burg, wie sie sie beabsichtigen, graben ringsherumund schütten die ausgehobene Erde auf, wobei sie mit Planken und Pfählen nachWeise der Bastionen (tawäbi) gefestigt 8 ) wird, bis die Mauer die beabsichtigteHöhe erreicht. Auch wird für die Burg ein Tor abgemessen, an welcher Seite manwill, und man geht auf einer hölzernen Brücke aus und ein. Von der Burg Gradbis ans Weltmeer beträgt die Entfernung 11 Meilen. Heere dringen in das Landdes Näqün nur mit großer Mühe ein, denn sein ganzes Land besteht aus Wiesen,Dickicht und Morast.

Was das Land des Büisläw anlangt, so erstreckt es sich in seiner Länge von derStadt Prag bis zur Stadt Krakau, eine Reise von 3 Wochen (S. 35), und es grenztder Länge nach an das Land der Türken. Die Stadt Prag ist aus Steinen und Kalkerbaut, und sie ist der größte Handelsplatz jener Länder. Zu ihr kommen aus derStadt Krakau die Rüs und die Slawen mit Waaren, und es kommen zu ihnen ausden Ländern der Türken Muhammedaner, Juden und Türken gleichfalls mitWaaren und gangbaren Münzen und führen von ihnen Sklaven 4 ), Zinn und ver-schiedene Felle 5 ) aus. Ihr Land ist das beste von den Ländern des Nordens unddas reichste an Lebensunterhalt. Für einen Pfennig 6 ) verkauft man ihnen so vielWeizen, daß ein Mann daran für einen Monat genug hat, und man verkauft bei ihnenan Gerste 7 ) für einen Pfennig das Futter von 40 Nächten für ein Reittier, und

mißt wird. Es kommt hinzu, daß der Burgwall Meklenburg, den ich kürzlich besuchte, tatsächlichein sehr großer Burgwall ist und Otto III. den Ort Michelenburg, d. i. große Burg, nannte. Istder NameWiligrad" für den Burgwall auch nicht bezeugt und läßt der von Wigger in Wismarnachgewiesene Familienname Willgroth auch Etymologien zu, die ihn als Beleg dafür entkräften,so dürfte trotz Westberg de Goeje das Richtige gefühlt haben, nur würde ich nicht eine Verschrci-bung, sondern einen Ausfall von fll Juli oder fili ^^jys annehmen, vermutlich bewirkt durch dasfolgende qiblt { i^j>< das jenes als Dittographie erscheinen ließ. Die Vokalisation des arabischenKonsonantengerippes gestattet verschiedene Möglichkeiten; welche Vokale für das Obotritischeam wahrscheinlichsten sind, kann natürlich ein Slawologe besser beurteilen als ein Orientalist.Ich hatte daher allen Grund zu sagen, das von de Goeje konjiziertc Wiligrad sei von Jagi<5inVeligrad oder Velegrad berichtigt". Die Vorwürfe Westbergs:Man berichtigt also historischeQuellen einfach, indem man etwas anderes schreibt, als dasteht. Die Slavisten wurden in diesemFalle durch die Arabisten selbst irregeführt", beruhen demnach auf Unkenntnis der arabischenVokalisationsmöglichkeiten.

l ) Handschrift Landberg liest qiblt .ioö .

a ) Diese, aber nicht das nördlich von ihr gelegene 'Azzän = Grad, ist Schwerin.

3 ) So, aus Erde und Holz sind die slawischen Burgwälle tatsächlich gebaut, vgl. Schuch-hardts Ausgrabungsbericht über die fälschlich Rümerschanzc genannte Slawenburg bei Potsdam:Zeitschrift für Ethnologie 1909, S. 128:Der Wall ist . . . als eine starke Mauer aus Erde und Holzgebaut worden . . . Bei einem Einschnitt, der obenauf in der Längsrichtung des Walles gemachtwurde, kam auch die von den Pfosten gehaltene Bohlenwand auf eine längere Strecke zutage."

*) So (raqiq) nach Schefers Kopie, nicht daqiq Mehl.

') Codex Landberg hat die schon früher vermutete Lesung aubär für abar, das namentlichin der Verbindung durüb al-abär (Bleisorten I) wenig befriedigt.

') In dem viermal vorkommenden Wort, das im Text stets qanschär lautet, hat Karabacekdas tschechische penjz vermutet, vielleicht Deminutiv penjzek. Penschak wäre eine geringfügigeÄnderung des Konsonantcnbildes. Es ist ausgeschlossen, daß das dem Arabischen geläufige Wortdinär, an das Westberg denkt, viermal gleichmäßig verstümmelt sein sollte; zudem bezeichnet esim Arabischen eine Goldmünze, entspricht also nicht dem abendländischen De ar und wäre hier,wo die Billigkeit betont werden soll, nicht am Platz.

*) Das gewöhnliche Pferdefutter im Orient.