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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
Entstehung
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(Textausgabe Kunik & Rosen, S. 33.) Der Jude Ibrahim ibn Ja'qüb erzählt:Die Slawenländer erstrecken sich vom Syrischen (d. i. Mittelländischen) Meer biszum Okeanos nach Norden. Völker 1 ) aus dem Innern (Norden) haben sich jedocheines Teiles derselben bemächtigt und wohnen bis auf den heutigen Tag zwischenihnen. Sie bilden viele verschiedene Stämme (adschnäs). In früheren Zeiten warensie geeint durch einen König, den sie Mächä 2 ) nannten. Der war von einem Stamm,der Welinbäbä 3 ) hieß, und dieser Stamm stand bei ihnen in Ansehen. Dann tratZwiespalt unter ihnen ein, und ihre Organisation ging zugrunde; ihre Stämme bil-deten Parteien, und in jedem ihrer Stämme kam ein König zur Regierung. ZurZeit haben sie vier Könige: den König der Bulgaren, Büisläw 4 ), den König von Prag(Fräga), Böhmen und Krakau, Mescheqqo 6 ), den König des Nordens, und Näqün 6 )im äußersten Westen. Das Land des Näqün grenzt im Westen an Sachsen undeinen Teil (S. 34) der Mermän (Normannen = Dänen). Sein [des Näqün] Landist billig und reich an Pferden 7 ), so daß solche von dort exportiert wurden. Sie sindmrt Waffen vollständig gerüstet, nämlich mit Panzern, Helmen und Schwertern.Von Burg 8 ) nach derGrenze(?) sind 10 Meilen*), bis zur Brücke 10 ) 50 Meilen,und das ist eine hölzerne Brücke, deren Länge I Meile beträgt, und von der Brückebis zur Burg des Näqün etwa 40 Meilen. Die Burg wird Grad 11 ) genannt, d. h. Große

J ) Qabäil (Plural von qabile) sind eigentlich Nomadenstämme, aber meist größere Verbände,weshalb es Burckhardt (Beduinen und Wahaby) durchNationen" wiedergibt.

*) Diese Stelle schob BekrJ aus Mas'Odi ein; der Name ist wahrscheinlich entstellt. Ver-mutung in Marquarts Streifzügen, Leipzig 1003, S. 146 ff. (Megd/irjpoe.)

s ) Das b kann durch Veränderung der Punkte, die oft nicht gesetzt werden, j und n ge-lesen werden. Gemeint sind die Wolynjane, s. Marquart a.a.O. S. 147.

') Boleslav I. von Böhmen regierte 935967; ihm folgte Bolcslav IL 967999.

') Die Verdoppelung des q ist, wie Westberg zeigt, begründet. Auslautendes He in fremdenNamen entspricht in magribinischen Texten häufig einem o, vgl. Ibn Ja'qüb's Umschreibungdes Namens Otto; Wright führt xJ.U' Carlo und «, U« ,.(> Don Pedro als Belege an.Mieszko I. etwa 960992. ' ' ' *"""

') Text: Näqür. Naccon starb nach Westberg spätestens 967.

7 ) chail; die Konjektur dschil (Bevölkerung, s. Westberg) bedarf keiner Widerlegung.

8 ) Burg, nordöstlich von Magdeburg.

') Das arabische mil beträgt etwa eine viertel deutsche Meile, ist aber ein schwankenderBegriff. Vgl. auch Dozy's Recherches, 3. Aufl., Bd. I, S. 301.

°) Man hat an eine Sumpfbrücke, einen Knüttcldamm zu denken.u ) Für 'Azzän .jtyc des Textes ist i>!wC Grad eine leichte Konjektur. Westberg klammert

sich an jene überlieferte Form, obwohl das anlautende 'Ain, das bei slawischen Namen undenkbarist, auf eine Verrutschung des Punktes hinweist, die vielleicht dadurch begünstigt wurde, daß derName Azzän, der im Jemen vorkommt (Jäqüt III 668), arabischen Lippen geläufiger war. Aneine der Etymologie Rechnung tragende Übersetzung des Namens Schwerin in eine semitischeSprache durch Ibrahim, an die Westberg glaubte, ist natürlich nicht zu denken. Die geistreicheAnnahme de Goejes, fi fSl sei Dittographie für fil, worin das slawische Wort fürgroß" stecke, be-seitigt die Schwierigkeit, daß nach der Übersetzung des Namens durch Ibn Ja'qüb das Adjektiv ver-