6 EINLEITUNG
männer für den Norden zur Verfügung standen, auf die er sich sonst vermutlichberufen hätte. Als Anhaltspunkte für die weitere Rückreise Tar^üschis kämen dieQazwini-Artikel Efsch (II, S. 388 = Aix, früher Aiws, lat. Aquis), Escht (II, S.388wohl Asti, nicht Aosta oder Este), Cortona und eventuell Bäni (Trapani) in Frage.Seine Gesandtschaft ist, wie wir gesehen haben, als vom Beherrscher der Gläubigenin Spanien, d. i. also Hakam II. (961—976), ausgehend, bezeugt. Nun erwähntauch Maqqari (Leidener Ausgabe I, S. 235; Gayangos II, S. 139), wie Dozy (Zeit-schrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft XX, S. 608) angibt, nachIbn Chaldün, daß bereits 'Abdurrahmän III. (912— 961) eine Gesandtschaft Ottos(Hütü) des Königs der Slawen empfing und mit dem Gesandten der Slawen denBischof Rabi c an den König Otto sandte, der nach zwei Jahren zurückkehrte,vgl. meine Erweiterte Übersicht, S. 43. Ja, schon 'Abdurrahmän II. (822—852)empfing eine Gesandtschaft des Normannenkönigs und sandte als Gegengesandt-schaft den Dichter al-Gazäl im Jahre 844 oder 845 an den Hof des Königs nacheiner dänischen Insel. Auch diese Gesandtschaft nahm den Seeweg und schifftesich in Silves ein. Einen Bericht über sie hat uns Ibn Dihja erhalten 1 ).
Juden, die ja in mehr als einer Hinsicht eine Vermittlerrolle zwischen Morgen-und Abendland spielten, wurden wegen ihrer Sprachkenntnis und ihrer internatio-nalen Beziehungen gern politischen Gesandtschaften beigegeben; auch Karls desGroßen Gesandtschaft an Härün ar-Raschid begleitete ein Jude, namens Isaac 2 ).Andere Beispiele findet man bei Caro 3 ). So war der jüdische Handelsmann, aufden die Gesandtschaft vermutlich zwischen Schleswig und Schwerin stieß, will-kommen; denn er verstand, wie aus seinem Bericht hervorgeht, etwas von sla-wischen Sprachen, die auch Otto der Große sprach. Daß er die Gesandtschaftvon Spanien oder nach Spanien begleitet habe, ist, wie gesagt, nicht wahrschein-lich: seine Interessen liegen mehr im Osten, und seine Heimat war vermutlichnicht Spanien, sondern Afrika, da er auf die Sitten der Berbern, die allerdings auchin Spanien anzutreffen waren, als auf etwas Bekanntes hinweist. Mit Unrechtmachen ihn daher Bruns-Wüstefeld*) und Caro 5 ) zu einem spanischen Juden.Wattenbachs Ansicht, daß Ibn Ja'qüb Arzt war, beruht namentlich auf der etwasfachwissenschaftlich klingenden Auseinandersetzung, warum die Slawen in derLombardei sterben. Andrerseits ist bei der Schilderung Böhmens das AugenmerkIbn Ja'qübs auf Preise und Handel gerichtet, und unter den HandelsartikelnPrags erwähnt er die Sklaven an erster Stelle. Auch sein Interesse für Krankheitender Slawen erklärt sich wohl daraus, daß der Sklavenhandel eine Haupteinnahme-quelle für diese reisenden jüdischen Kaufleute bildete; die Slawenkriege Ottos undseines Vaters eröffneten einen reichen Markt, Otto selbst hatte einen Sohn voneiner slawischen Sklavin, und die arabische Namensform für Slawe Siqläb lebt janoch heute in unserm Wort Sklav fort, dessen undeutscher Anlaut sich nur so er-klärt. Wenn daher Ibn Ja'qüb sagt, daß die Slawen in der Lombardei zugrundegingen, so konnte er solche Erfahrungen am ehesten als Sklavenhändler gesammelthaben; auch sein Interesse für blondes und schwarzes Haar unter den Slawenkönnte auf Mädchenhandel beruhen. Schon bei Ludwig dem Frommen erhob
*) Vgl. Scippcls Achbär uraara al-Madschus, S. l^ü. und unsere Übersetzung im folgenden.*) Einhard, Annales a. 801. Mon. Script. I, S. 190.
3 ) Georg Caro, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden, 1. Bd., 2. Aufl., Frankfurt a. M.1924, S. 195.
4 ) Kurt Bruns-Wüstefeld, Die Uckermark in slawischer Zeit, Prcnzlau 1919. S. 8.
5 ) Caro, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden, 1. Bd., S. 195.