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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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EINLEITUNG 5

gedrängt worden. Demnach konnten Auerhahn und Star wohl dem Reisenden desio. Jahrhunderts von der Vogelfauna Deutschlands besonders auffallen, ammeisten aber, wenn er Ende März reiste 1 ). Tartüschi scheint gleichfalls im Märzgereist zu sein; denn er sah bei Utrecht, wie Torfstecher, nachdem das winterlicheWasser ausgetrocknet war, ihre Arbeit begannen; das Torfstechen hebt aber,wenigstens in Friesland, im März an, und es ist zu vermuten, daß es Tartüschinicht bei Utrecht, wo der Torf keine Rolle spielt 2 ), sondern auf der Fortsetzungseiner Reise nach Westen beobachtete. Das alles paßt vortrefflich zum Jahr 973.Am 4. April dieses Jahres brach Otto von Quedlinburg nach Merseburg auf, woer am 1. Mai Christi Himmelfahrt feierte, am 6. zog er weiter nach Memleben;dort ereilte ihn am 7. der Tod. Er hatte also die Gesandtschaft im April oder Maiempfangen, die Reise derselben würde demnach in den März oder April fallen.Tartüschi muß während eines kalten Winters in Rouen gewesen sein, wahrschein-lich auf der Hinreise nach Deutschland. Vielleicht gibt einmal das historischeMaterial, welches Meteorologen sammeln, Auskunft, ob der Winter 972/73 etwaim Januar oder Februar ein harter war. Da ferner die von Ibn Ja'qüb geschilderteblühende Handelsstadt am Weltmeer mit zwölf Toren offenbar die Siedelung beider Jomsburg ist, und diese nach Schuchhardt von Harald Blauzahn vermutlicherst etwa zwischen 950 und 970 gegründet wurde, so wird man wohl eine längere Ent-wicklung annehmen müssen, bis sie dem weitgereisten Kaufmann so mächtig im-ponieren konnte, und das Jahr 973 wird auch auf diesem Wege wahrscheinlicher.Zwei miteinander eng verquickte Fragen müssen noch in dieser Einleitungerörtert werden: Was führte die beiden Männer nach Deutschland, und welcheRoute nahmen sie ? Daß Tartüschi Gesandter des Beherrschers der Gläubigenin Spanien an Otto den Großen war, geht aus Qazwinis Artikel über Lorca (II,S- 373) wohl mit Sicherheit hervor, der aus 'Udhri zitiert: Ibrahim ibn Ahmada^-Tartüschi erzählte mir: Ich hörte den römischen König sagen:Ich möchte anden Beherrscher der Gläubigen in Spanien ein Geschenk schicken". Es folgt ein Auf-trag an ihn, der, wie ich in früheren Arbeiten gezeigt habe, gerade für Otto I. be-sonders charakteristisch ist. Vergleicht man damit die oben zitierte Stelle ausBekri (ed. Kunik & Rosen, S. 37):Der Jude Ibrahim ibn Ja'qüb sagt: Der Berichtvon dieser Stadt ist wahr, Otto (Hüto) der römische König hat mir davon erzählt,"und erwägt man, daß auch Tartüschi das nämliche berichtet, wofür Ibn Ja'qübOtto als Quelle nennt, ferner, daß die Berichte auch über Polen auffallend über-einstimmen, so ist die Annahme höchstwahrscheinlich, daß beide Männer zummindesten am Hofe Ottos zusammentrafen. Daß sie allerdings die ganze Reisegemeinsam machten, ist nicht wahrscheinlich. Ibn Ja'qüb ist nämlich haupt-sächlich in Böhmen gut bewandert, sah Sachsen, Mecklenburg und, wie es scheint,Italien. Im Westen dagegen finden wir seine Spuren nicht, während Tartüschiden Weg längs der Küste über Bordeaux, Kermaria, Rouen, Utrecht nach Schles-wig genommen zu haben scheint; Paderborn, Soest, Fulda, Mainz könnten Etappenseiner Heimreise gewesen sein. Nicht bei allen der erwähnten Orte wird TartüschisName genannt, doch ist ganz unwahrscheinlich, daß Qazwini noch andere Gewährs-

) Diese Ansetzung ist von Wichtigkeit für die Beurteilung von Ibn Ja'qübs Itinerar. Dieim Sommer gangbaren kürzesten Wege werden im Frühjahr nach rauhem Winter infolge derÜberschwemmungen nicht immer passierbar gewesen sein, zumal sie vielfach durch auch sonstsumpfiges Gebiet führten. So erklären sich die in der Luftlinie mehrfach viel zu weit angegebenenDistanzen.

*) Ich habe geologische Karten eingesehen.