4 EINLEITUNG
vermutlich von Quedlinburg nach Merseburg, der wahrscheinlichen Route ihrerHeimreise, begleiteten. Ich glaube daher mit Wigger am Jahre 973 festhaltenzu müssen, während Kunik & Rosen, de Goeje und namentlich Westberg für dasJahr 965 eintreten. Von seinem Römerzuge im Jahre 962 kehrte nämlich Ottoerst 965 nach Sachsen zurück, im August 966 treffen wir ihn noch in Merseburg,dann aber zieht er abermals nach Italien und trifft erst im Frühling seines Todes-jahres 973 wieder in der sächsischen Heimat ein. Es kann sich also nur um 965/66auf der einen, 973 auf der andern Seite handeln. Für letzteres Datum fällt schwerins Gewicht, daß nur für dieses gesicherte Nachrichten über eine afrikanische undeine bulgarische Gesandtschaft vorliegen, während Westberg hauptsächlich mitder unsicheren Konjektur Magdeburg für das im Text überlieferte Merseburg unddem unsicheren Todesjahr des Nacon, als das er im Gegensatz zu Wigger 967 ar-nimmt, operiert. Selbst wenn letzteres zuträfe, muß man in Rechnung stellen, daßdie Araber häufig Nachfolger eines hervorragenden Herrschers mit dessen Namenbelegen; für die Herrscher von Sizilien z. B. ist „Roger" bei ihnen geradezu zumTitel geworden. Ähnlich verhält es sich mit Kuniks Argument, daß dem Chasaren-staat im Jahre 965 von den Warägern der Untergang bereitet wurde, währendIbn Ja'qüb die Chasaren noch als ein wichtiges Volk unter andern Völkernamenaufführt. Doch hat er, wie schon die Aufzählung beweist, von diesen östlichenStämmen ziemlich verworrene Vorstellungen und weiß nur zu berichten, daß sieaus dem Norden kamen und die slawische Sprache annahmen. Ganz ungerecht-fertigt ist Kuniks Voraussetzung, daß Ibn Ja'qüb durch reisende jüdische Kauf-leute von dem Zustande des Chasarenreichs auf dem laufenden erhalten sein müßte,wobei er auf Chisdais Brief an den Chasarcnkönig hinweist. Kunik scheint unbekanntgewesen zu sein, daß es diesem jüdischen Minister trotz seiner einflußreichen Stellungnur nach den größten Anstrengungen gelang, mit den Chasaren Verbindungen an-zuknüpfen; und doch war dies nach allem, was wir über die damaligen Verkehrs-verhältnisse wissen, von Spanien aus wahrscheinlich leichter als von Merseburg.Ebensowenig lassen sich darauf, daß Ibn Ja'qüb den Bulgaren noch einen mäch-tigen König zuschreibt, gesicherte Schlüsse bauen. Allerdings existierte ein solchernicht mehr nach der schweren Niederlage, welche Kaiser Tzimiskes den Bulgaren971 oder, wie Kunik meint, 972, beibrachte. Doch lag es einerseits im Interesse derGesandtschaft, den wahren Sachverhalt zu verheimlichen; auch war sie möglicher-weise schon lange unterwegs und selbst im Frühjahr 973 noch ohne Kunde von derKatastrophe. Andrerseits darf man nicht ignorieren, daß das westliche Bulgarcnreicherst 1018 durch Basilios II. unterworfen wurde. Ich halte demnach das Jahr 973immer noch für das wahrscheinlichere. Für 967 paßt aber auch die Jahreszeit nicht;in diesem Jahr war Otto im August in Merseburg und Ende Juni und in der erstenHälfte des Juli in „Magdeburg", wie Westberg für Merseburg konjiziert. Ibn Ja'qübwar aber zweifellos im ersten Frühjahr und, wie es scheint, nur kurze Zeit in Deutsch-land. Er beschreibt zwei für Deutschland charakteristische Vögel: den Star undden Auerhahn, dessen Balzen er schildert. Der Star, welcher auch in Spanien,Afrika und Asien vorkommt, kehrt im März zu uns zurück. Von Ende März anbalzt aber auch der Auerhahn, und zwar beginnt er, wie Brehm bemerkt, bereitszu einer Zeit, wann es noch still im Walde ist. Da Deutschland zu Otto des GroßenZeiten noch ungleich waldreicher als heute war, wird auch der Auerhahn zahlreichergewesen sein und wohl auch die norddeutsche Ebene allenthalben bevölkert haben;ist er doch, wie Brehm ausdrücklich hervorhebt, ursprünglich kein Gebirgswildund nur durch die Kultur allmählich mit einigen Ausnahmen ins Gebirge zurück-