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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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EINLEITUNG 3

?iuch deshalb wünschenswert, weil inzwischen Graf Landberg eine dritte Hand-schrift des Bekri im Orient auffand, deren Varianten, die mir noch de Goeje voll-ständig mitzuteilen die Freundlichkeit hatte, er mir gütigst zur Verfügung stellte.Der Bericht des Ibrahim ibn Ja'qüb trat durch meine Entdeckung der Tar-tüschi-Fragmente in neue Beleuchtung. Ich erkannte in einer Reihe von Artikelnbei dem arabischen Kosmographen Qazwini, der dem 13. Jahrhundert angehört,Zitate über nördliche Städte, deren Namen z. T. bis dahin nicht erklärt waren.Qazwini nennt als Quelle für diese zunächst Ahmad ibn 'Omar al-'Udhri. Dieerhaltenen Nachrichten über diesen Mann und sein leider verloren gegangenes,aber mehrfach von Späteren noch zitiertes geographisches Werk habe ich in meinemArabischen Berichterstatter, 3. Aufl., Berlin 1896, S. 5 ff., zusammengestellt. DerName 'Udhri weist ihn jenem südarabischen Stamme zu,die da sterben, wenn sielieben", seine Familie war durch Generationen in Spanien ansässig, in jungen Jahrentrat er die Pilgerfahrt an, verweilte 10181025 in Mekka und starb zwischen108385. Als Gewährsmann nennt 'Udhri einen Ibrahim ibn Ahmed at-Tartüschi,d.h. aus Tortosa. Dieser wurde früher fälschlich mit dem im II. Jahrhundertlebenden Ibn Abi Rendeqa identifiziert; ich brauche heute nicht mehr dagegen zupolemisieren. Da sich nun zwei Berichte, die auf den ins 10. Jahrhundert zu ver-setzenden Tartüschi zurückgehen, mit solchen bei Ibrahim ibn Ja'qüb nahezuwörtlich decken, an eine literarische Entlehnung jedoch, wie wir sehen werden,kaum gedacht werden kann, beide Gewährsmänner auch vom Norden aus eigenerAnschauung berichten, muß man wohl ein persönliches Zusammentreffen der-selben annehmen; die Berührungen legen die Vermutung nahe, daß sie derselbenislamischen Gesandtschaft an den Hof Otto des Großen angehörten, die auch inabendländischen Quellen erwähnt wird.

Die Parallelartikel, die ich in meinen Studien in arabischen Geographen II,S. 3840, zusammengestellt habe, behandeln das Land des Mieszko (gemeint istder Erste, der 992 starb), also Polen, und die Stadt der Frauen, d. i. die aufFinnland übertragene Amazonensage. Wichtig ist namentlich der Vergleich derbeiden Schlußsätze über die Stadt der Frauen, welche lauten:

Tartüschi sagt: Die Stadt der Frauen ist eine Tatsache, an der man nichtzweifeln darf." (Qazwini II, S. 408.)

Der Jude Ibrahim ibn Ja'qüb sagt: Der Bericht von dieser Stadt ist wahr,Otto (Hüto), der römische König, hat mir davon erzählt." (Bekri ed. Kunik& Rosen, S. 37.)

Aus letzterer Stelle gewinnen wir das Jahr 962 als obere Zeitgrenze für dieUnterredung, weil Otto der Große erst nach seiner KaiserkrönungrömischerKönig" genannt werden konnte. Daß es sich aber um ihn und nicht um einen derbeiden folgenden Ottonen handelt, wird durch die drei andern von Ibrahim ibnJa'qüb genannten historischen Persönlichkeiten wahrscheinlich, er kennt Mieszkoals König des Nordens, Boleslaw als König von Böhmen und Nacon im westlichenTeile der Slawenländer. Einen noch genaueren Anhalt jedoch gewinnen wir durchdie Erwähnung einer bulgarischen Gesandtschaft, die Ibrahim ibn Ja'qüb in Merse-burg sah,als sie zum König Otto kamen". Eine bulgarische Gesandtschaftempfing nämlich Otto 973 zu Quedlinburg. Von hier aus brach er am 4. Aprilnach Merseburg auf, wo, wie Widukind (III, 75) berichtet, Gesandte aus Afrikavorgelassen wurden. Diese Tatsachen legten die Vermutung nahe, daß Ibrahim ibnJa qüb sich bei dieser afrikanischen Gesandtschaft befunden und bei dieser Ge-legenheit auch noch die bulgarischen Gesandten gesehen habe, die den Kaiser