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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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beiden großen Porphyrsarkophage aus der Zeit Constantins, die jetzt imvatikanischen Museum stehen, wirken nicht so kräftig, weil ihre Flächen durchReliefs zersplittert werden. In Grüften von so großartiger Einfalt und ernsterMajestät möchten auch Nibelungenkönige würdig ruhen. Die große Zeit desdreizehnten Jahrhunderts erkennt man in ihnen. Übrigens zeigen diese Sarko-phage, daß damals die Sizilianer die Kunst, den Porphyr zu behandeln, nochübten, da sie doch in Italien bereits verlorengegangen war, und wie Vasarisagt, erst in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts wieder durch Francescodel Tadda in Aufnahme kam.

Es liegen dort bestattet der große König Roger, seine Tochter Constanza, ihrGemahl Heinrich VI., ihr beider Sohn Friedrich II., der größte Fürst, denDeutschland erzeugt hat, und dessen erste Gemahlin Constanza von Aragon.Vor allen anderen zeichnet sich Friedrichs Grabmal aus. Der Kaiser war inFirenzuola bei Luceria in Apulien am 13. Dezember 1250, nur 56 Jahre alt,gestorben. In den Armen Manfreds hatte er seine Seele ausgehaucht. Manbrachte seine Leiche nach Sizilien unter dem Geleit von sechs Scharen Reiterund der sarazenischen Leibwache, und bestattete sie in derselben Kirche, woFriedrich einst als Kind die Krone empfangen hatte, und wo auch sein SohnManfred sich krönen ließ. Dieser hatte den Bildhauer Lapo, den Schüler desberühmten Nicola Pisano, mit einem prächtigen Grabmal für den Kaiserbeauftragt, das aber nicht zustande kam. Man weiß nicht, welcher Künstlerdas gegenwärtige Denkmal verfertigte, ob es ein Toskaner oder ein Sicilianerwar. Sein Sarg, dessen Decke Adler und Greife schmücken, ruht auf vierLöwen, die in den Tatzen Sklavenfiguren halten, darüber erhebt sich einTempeldach auf Säulen, welche auf einem dreistufigen Untersatze stehen.Alles ist aus Porphyr gehauen. (Ferdinand Gregorovius, Siciliana, 1861.)

DER ALTAR VON KEFERMARKT

Wir kamen in den kleinen Ort Kerberg. Er liegt in einem sehr abgeschiedenenWinkel und ist von keinerlei Bedeutung. Nicht einmal eine Straße von nuretwas lebhaftem Verkehr führt durch, sondern nur einer jener Landwege,wie sie zum Austausche der Erzeugnisse der Bevölkerung dienen, und vondem guten Sand- und Steinstoffe des Landes sehr gut gebaut sind. Nur dieLage ist schön, da hier die Bildungen etwas größer sind und mit dämmerigemWalde teilweise bekleidet anmutig zusammentreten. Und doch steht in diesemOrt die Kirche, zu welcher wir auf der Reise waren. Hinter dem Orte un-gefähr nach Mitternacht liegt ein weitläufiges Schloß auf einem Berge, wel-ches große Garten- und Waldanlagen um sich hat. Auf diesem Schlosse hateinmal ein reiches und mächtiges Geschlecht gewohnt. Einer von ihnen hattein dem kleinen Orte die Kirche bauen und auszieren lassen. Er hat die Kircheim altdeutschen Stile gebaut, Spitzbogen schließen sie, schlanke Säulen ausStein teilen sie in drei Schiffe, und hohe Fenster mit Steinrosen in ihrenBögen und mit den kleinen vieleckigen Täfelchen geben ihr Licht. Der Hoch-altar ist aus Lindenholz geschnitzt, steht wie eine Monstranze auf dem Priester-platze und ist von fünf Fenstern umgeben. Viele Zeiten sind vorübergegangen.

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