„die recht maisterliche Kunst des Zirks, der Grundvest und anderes dazugehörig" erlernt habe und Mitglied einer Bauhütte geworden sei.Außer den Bauhütten gab es auch noch manche Baumeister in den Klöstern,besonders bei den Zisterziensern, Benediktinern und Dominikanern; die Do-minikaner hatten zum Beispiel in Straßburg eine Art Bauschule.Schriftliche Unterweisungen in der „maisterlichen Kunst" wurden, solangedie Kunst überlieferungsgemäß das Leben beherrschte, nicht verfaßt. Erstals die fremdländische Renaissance hereinbrach, machte sich, ähnlich wie imdeutschen Rechtsleben beim Überwuchern des römischen Rechtes, das Be-dürfnis fühlbar, die „Grundregeln des Baues", schriftlich festzustellen. Soverfertigte der Baumeister Matthäus Rositzer von Regensburg im Auftragdes kunstliebenden Bischofs Wilhelm von Reichenau unter dem Titel „Überder Fialen Gerechtigkeit" im Jahre i486 ein Werkchen, das in schlichtem,treuherzigem Tone die Entwicklung gewisser Teile eines gotischen Bauwerkesdarlegte. (Johannes Janssen, Die allgemeinen Zustände des deutschen Volkesbeim Ausgang des Mittelalters, 1892.)
KIRCHLICHE BAUTEN
Freilich macht sich in den gotischen Bauten des ausgehenden Mittelaltersnicht selten ein störendes Überwiegen des Ornamentalen über das konstruk-tive Moment bemerklich, aber die Gebäude waren noch immer „nach ZirkelsKunst und Gerechtigkeit" geplant und durchgeführt, und in der glanzvollenund anmutigen dekorativen Komposition wurde geradezu Wunderbares ge-leistet. In Deutschland so gut wie in England und Spanien, beispielsweisein den Kathedralen von Segovia und Salamanca, offenbarte die Spätgotiknach wie vor die volle Lebensfähigkeit, Kraft und Schönheit ihres Stiles.Kurz vor dem gänzlichen Verschwinden der einheimischen Bauweise gründetenoch eine Deutsche, Kaiser Maximilians Tochter Margaretha von Österreich,die Kathedrale zu Unserer lieben Frau von Brou, welche alle Herrlichkeitder Gotik wie in einem Strahlenbündel zusammenfaßt.
Der Einfluß der germanischen Kunst waltete auch noch während des erstenZeitraumes der sogenannten Renaissance, indem das Grundschema der älterenRenaissancebauten im wesentlichen das aus dem Mittelalter überkommeneblieb. Aus dem Mittelalter erbten die neuen Baumeister technische Fertig-keit und einen gewaltigen Reichtum edler Formen, und solange sie von dengroßen Überlieferungen der Vorzeit zehrten, förderten sie viel Schönes undBewundernswertes zutage. (Johannes Janssen, Die allgemeinen Zustände desdeutschen Volkes beim Ausgang des Mittelalters, 1892.)
STEIN UND HOLZ
Um den Ernst und die Würde der Kirche darzustellen, ist der Stoff nicht gleich-gültig, aus dem man sie verfertigt. Man wählte den Stein als Stoff, aus demdas Großartigste und Gewaltigste von dem, was sich erhebt, besteht, die Ge-birge. Er leiht ihnen dort, wo er nicht von Wald oder Rasen überkleidet ist,
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