kehren, und drinnen alles Feste des Raumes in einem Feuerwerk von ein-farbiggelben und riesigen Fenstern versprüht. Gewiß sind dies die Kirchendes gehobenen Bürgertums, gewiß sind dies die Jahrhunderte, in denen dieHandelsbeziehungen der Rheinlande am weitesten nach Osten und Westen,Norden und Süden reichten, in denen neben den alten Höhen- und Wasser-burgen des Adels die Stadtbefestigung zum stolzen Schmuckwerk und dieRat- und Bürgerhäuser den ganzen Reichtum der Hochmächtigen entfalteten—■ ein ungeheurer Schatz von aufgespeicherten und noch gebändigten Kräftenwurde damals frei, aber in der Richtung einer weltlichen, nicht mehr derchristlichen Freiheit und darum auf Kosten der geistigen Einheit von Kircheund Reich, Himmel und Erde. Geistliches Leben und Laienleben wuchsenallmählich von nun an weit auseinander, Staat und Kirche, Kaiser und Für-sten, Reich und Stände wuchsen weit auseinander, indem die Glieder ge-wannen, was die Mitte und das Ganze verlor. Vergebens suchten die Kon-zilien von Konstanz und Basel die Kirche an Haupt und Gliedern zu erneuern,vergebens suchten die Stände unter Berthold von Mainz ohne oder gegen diekaiserliche Mitte das berstende Reich durch die stärkere Verbindung derGlieder zu retten: sie selber entwuchsen durch die „Libertät" dem Reiche,und die Kaisergeschlechter, die Lützelburger und Habsburger, entwuchsendem Reiche, indem sie auf östlichem kolonialen Boden ihre Hausmachtgründeten, ihre Stammländer im Westen mehr und mehr nur zu Tausch,Verpfändung und Ausgleich nutzten. So glitt das staatliche Schwergewichtvom Rhein hinweg nach Osten, und da eben am Rhein sich die reichste Fülleder Gliederungen um die einigende Mitte gebildet hatte, mußte hier bei derSchwächung der Einheit die zahlreichste bunteste Splitterung bleiben, mußtehier am ehesten der Fürst zum Souverän, der Geistliche zum Pfründner, derRitter zum Raubritter und der Bürger zum Spießer, mußte gerade das Mutter-land des Reiches seine schwächste Stelle werden. (Friedrich Wolters undWalter Elze, Stimmen des Rheines, 1923.)
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