Meerenge, von Galeeren und Schiffen wie ein Blütengarten übersäet, undnicht entging dem Blick der Fremdlinge die reißende Strömung in dem Kanal.Noch hundert Meilen schätzten sie bis Konstantinopel. Am Vorabend vonSanct Johanns des Täufers Fest warfen sie, froh der schnellen und glücklichenFahrt, bei der Abtei des heiligen Stephans, an einer Stelle der asiatischenKüste, die die Warte hieß, drei Stunden von der Hauptstadt, die Anker.Da entfaltete sich vor den staunenden Blicken der Kreuzfahrer die kaummit Neapels gesegneten Fluren vergleichbare Anmut der Propontis, derensüße Früchte, sanftkühlenden Winde, spielende Fische, tanzende Delphine,erfrischende Bäder, klare Bäche, Schwalbengeschwirre und Nachtigallen-gesang mit unwiderstehlicher Sehnsucht hinzogen, wer je in dem ewigenFrühling dieses von des Schöpfers Händen gebildeten Lustgartens in wechseln-den Genüssen sein Leben hingeträumt. Von hier schweifte ihr Auge über diemit den leisen Lüften buhlende Flut, hin zu den blumigen Ufern, über Gärtenund Fluren, auf zahllose Landhäuser und Kirchen, die im Schatten von Pla-tanen und Zypressen von dem Meeresgestade bis zu den Hügeln, welche dieLandschaft umkränzen, aus Lustgehegen und Hainen schimmerten; allesprangend in dem reichsten Schmuck des kaum begonnenen Sommers. Andem in wogender Lebensfülle schwellenden Saum aller dieser Herrlichkeitverbreitete sich vor dem entzückten Auge der Abendländer in unermeßlichemUmfang die neue Siebenhügelstadt, die Hauptstadt, der „Wangenglanz" derWelt, mit ihren hohen Mauern, dreihundertsechsundachtzig Türmen, ebensovielen Kirchen und Klöstern und einem wogenden Meere hochgewölbterPaläste, welcher allein vor allen Städten der Welt unvergängliche Dauer, solange Menschen leben, gesichert scheint; und keines der hochgemutetenDegen Herz schlug bei diesem Anblick so männlich, daß nicht leises Zagenes durchbebte: ob je wohl seit der Weltschöpfung von so kleinem Häuflein einso keckes Wagnis, wie die Bezwingung dieser Stadt, wäre begonnen worden,und daß nachmals ein Augenzeuge bekannte, so Glorreiches hätte bis jetztweder ein Geschichtschreiber beschrieben, noch ein Dichter besungen.Freudig, am ersehnten Ziele zu stehen, von wo sie nach kurzem Bemühenübergehen sollten zu der höheren Bestimmung ihrer Pilgerfahrt, stiegenGrafen und Barone ans Land, und noch am gleichen Abend hielten sie Ratin Sanct Stephans Kirche. Da, nach wechselnder Meinung, erhob sich mitseiner Erfahrung und Ortskunde der Doge und riet zu kluger Umsicht. Leichtkönnte, wenn in dem reichen, dichtbewohnten Lande das Heer, um Lebens-bedürfnisse zu gewinnen, sich ausbreitete, durch manches Tapferen Verlustdie kleine Schar sich schwächen; besser wäre es, an den mit Überfluß geseg-neten Inseln sich zu versehen und sofort die Stadt zu umlagern; Vorrat seidie erste Bedingnis eines glücklichen Kampfes. Alles stimmte bei und rastetedie Nacht auf den Schiffen.
An St. Johanns des Täufers Tag flatterten von den Masten und Marsstangenund Vorderkastellen der Schiffe in buntem Farbenspiel die Banner und Fahnenvon vielen Herren und Rittern; gleich stählernen Zinnen starrten von denSchirmwänden die Schilde, und zu seiner Waffe, als zu dem Werkzeug, dessener nun bald bedürfe, blickte ein jeder. Es schwellten die Segel vom Winde,
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