Gras, gleichsam das Haar rer Wüste, heraus quoll, wie das Innere eines menschlichen Kör-pers. Mirtha zog dieses feine Gefüllsel gar heraus, lockerte es mit ihren Fingern auf, und pol-sterte damit den nackten von spitzigen Steinen unterbrochenen Boden der.Nische. Dann suchtesie unter den herumliegenden Lumpen etwas zusammen, was sie darauf breitete, um das Kindauf dieses Bettlein legen zu können. Von Linnen war überhaupt wenig in der Wüste, und dasBeste dieses Wenigen hatten die Reiter mitgenommen. Daher machte sie aus Wolle, aus an-dern Stoffen, ja aus seidenen Lappen, deren Farbe nicht mehr zu erkennen war, Windel, undlegte sie auf einen Haufen neben die Nische. Da das neugeborne Mädchen auf diesem Bettleinschlief, war es, daß Abdias von dem Begräbnisse heim kam, und sich vor dasselbe hin stellte.
„Es ist so gut," sagte er, „Mirtha, wir müssen nun weiter sorgen."
Er ging hinaus, und führte die Eselin, die er gekauft hatte, und die noch immer in demGemache angebunden war, in dem er sie gelassen hatte, herein. Er stellte sie, damit sie recht gutverwahrt sei, in das Gewölbe, welches sonst das Prunkgemach Esther's gewesen war, und indas von oben herab durch das vergitterte Fenster das Licht fiel. Dort band er sie sorgsam an,und richtete den hölzernen Riegel, mit welchem die Thür inwendig versehen war, wieder her, daßman ihn Nachts, da man herinnen schlief, immer vorschieben könne. Von dem Vorrathe dürrenWüstenheues, mit dem er sonst immer seine Kameele gefüttert hatte, war genug vorhanden, indemdas Heu nicht in seiner Behausung, deren Aeußeres, in so ferne es brennbar war, von denSoldaten abgebrannt worden war, sondern in einer nicht weit davon befindlichen trockenen Höhleder Trümmer aufbewahrt worden war. Die Plünderer hatten es wohl gefunden, hatten auchversucht es anzuzünden, aber wegen Mangel an Luftzug, und weil es so dicht gepackt war, hattees nicht in Flamme gerathen können. Sie rissen daher so viel heraus, als ihnen der Ueber-muth eingab, nahmen mit, was sie für die nächsten Augenblicke brauchten, und auf ihren Thierennnterbringen konnten, und ließen das übrige zerstreut liegen. Als sich Abdias des Heues undseiner Brauchbarkeit versichert hatte ging er wieder in seine Wohnung zurück, und suchte dortsehr lange unter all dem vielen Plunder die reinsten und wo möglich aus Linnen verfertigtenLappen heraus, damit sie dem Kinde zum Saugen dienten, wenn man ihm die frische, warm ausdem Körper der Eselin kommende Milch zur Nahrung gab. Diese Lappen legte er alle auf einemSteine zusammen, der sich in dem Gemache des Kindes befand. Sodann sah er nach denZisternen. Er hatte in früherer Zeit hinter dem hohen Schutte, der auf seiner Wohnung lag,dort, wo ein sehr großes Fries und darauf liegende Felsenstücke immerwährenden Schatten gaben,zwei Zisternen graben lassen. Gewöhnlich aber war nur in einer derselben Wasser,'die anderewar leer. Dies rührte daher, weil die Zisterne mittelst eines Schlauches, den man absperrenkonnte, mit einer Wassergrube im Keller, die künstlich eingesäumt und dicht gepflastert war, inVerbindung stand, in welche Grube Abdias immer größere Wassertheile, wenn sie sich obensammelten, ablicß, damit das Wasser im Keller frischer werde, und keine so große Menge durchVerdünstung verliere, als wenn es oben in der warmen Luft gestanden wäre, der es noch dazu
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