Geschäft, das ihnen anbefohlen worden war. Obgleich die Nacht von ihrer Mitte bereits gegenMorgen neigte, und die bekannten Bilder der Sterne, die am Abende von Egypten herübergekommen waren, schon jenseits der Häupter standen und gegen die Wüste hinab zogen, mußtenoch die Ankunft nach der Sitte gefeiert werden. Man schlachtete bei Kerzenscheine ein Lamm,briet es in der Küche, und setzte es auf den Tisch. Sie gingen alle hinzu, aßen alle davon,und man gab auch dem Gesinde zu essen. Hierauf begaben sie sich zur Ruhe und schlummer-ten lange bis an den andern Tag, da die Wüstensonne schon auf die Trümmer niederschien,wie ein großer runder Diamant, der täglich ganz allein am leeren Himmel funkelte.
Von da an waren Freudenfeste durch drei Tage. Es wurden die Nachbarn herbei-gerufen, das Kameel, der Esel und der Hund des Hauses waren nicht vergessen, und für dieThiere der Wüste wurde ein Theil in die entfernten Gegenden der Trümmer hinaus gelegt;denn es reichten die Mauerstücke weit in der Ebene fort, und was die Menschen von ihnenübergelassen hatten, dazu kamen die Thiere, um Schutz zu suchen.
Als die Feste vorüber gegangen waren, und noch eine Zeit verflossen war, nahm Ab-dias auf's Neue Abschied von den-Eltern; denn er reifete nach Balbek, um die schönäugigeDeborah zu holen, die er dort gesehen, die er sich gemerkt hatte, und die mit all den Ihrigenzu seinem Stamme gehörte. Er reifete als Bettler, und kam nach zwei Monaten dort an.Zurück ging er als bewaffneter Türke mitten in einer großen Karawane, denn das Gut, daser mit sich führte, konnte er nicht in Klüften verstecken, und, konnte es, wenn es verlorenginge, nicht wieder erwerben. Damals war in allen Karawansereis die Rede von der Schön-heit des reisenden Moslim und der noch größern seiner Sklavin; — aber die Rede, wie einglänzender Strom gegen die Wüste, verlor sich allgemach, und nach einer Zeit dachte keinermehr daran, wo die beiden hingekommen wären, und es redete keiner mehr davon. Sie aberwaren in der Wohnung des alten Aron's, es wurden in den Gewölben unter dem SchutteZimmer gerichtet, die Vorhänge gezogen, und die Polster und Teppiche für Deborah gelegt.
Aron theilte mit dem Sohne sein Gut, wie er es versprochen hatte, und Abdias gingnun in die Länder hinaus, um Handel zu treiben.
Wie er einst gehorsam gewesen war, so trug er jetzt aus allen Orten zusammen, wasnach seiner Meinung den Sinnen der Eltern wohlthun könnte, er demiithigte sich vor den eigen-sinnigen Grillen des Vaters und litt das vernunstlose Scheltwort der Mutter. -— Als Aronalt und blöde geworden war, ging Abdias in schönen Kleidern, mit schimmernden und gutbereiteten Waffen, und er machte mit seinen Kaufgenossen draußen Einrichtungen, wie es diegroßen Handelsleute in Europa thun. Da die Eltern unmündige Kinder geworden waren, star-ben sie eines nach dem andern, und Abdias begrub sie unter den Steinen, die neben einemalten Römerknaufe lagen.
Von jetzt an war er allein in den Gewölben, die unter dem hochgethürmten Schutteneben dem Triumphbogen und den zwei Stämmen der verdorrten Palmen sind.
Stifter, Abdias.
2