die verschollene Römerstadt. Er kam in rer Nacht, er kam zu Fuße, weil man ihm sein Kä-mest geraubt hatte, er war in ganz zerrissene Kleider gehüllt, und trug Stücke eines Pferde-aases in der Hand, um davon den Schakalen zuzuwerfen, daß er sie von feinem Leibe hielte.Auf diese Weise gelangte er zu dem römischen Triumphbogen und zu den zwei alten Palmen-stämmen, die noch immer da standen, und in der Nacht schwarze Linien in den Himmel zogen.Er pochte an die aus Rohr geflochtene Thür, die dreifach vor dem Mauerloch war, das denEingang bildete, er rief und nannte seinen Namen und den seines Vaters — und er mußtelauge warten, bis ihn jemand hörte und den alten Juden weckte. Es standen alle in dem
Hause auf, als sie hörten, wer gekommen sei, und Aron, als er durch die Thür mit ihmzuerst geredet hatte, öffnete dieselbe und ließ ihn ein. Abdias bat den Vater, daß er ihn inden Keller führe, und als er dort die Rohrthüre hinter sich verschlossen hatte, zählte er ihmgoldene Münzen aller Länder auf, die er sich erworben hatte, eine große Summe, die mankaum erwarten konnte. Aron sah ihm schweigend zu, bis er fertig war, dann schob er die
Goldstücke auf dem Steine zusammen, und that sie wieder Handvollweise in den ledernen Sack,in dem sie Abdias gebracht hat, und legte den Sack seitwärts in ein Loch, das zwischen Mar-
morfrisen war.-Dann, als bräche die Rinde plötzlich entzwei, oder als hätte er mit
der Vaterfreude warten müssen, bis erst das Geschäft ans war, stürzte er gegen den Sohn,
umarmte ihn, drückte ihn an sich, heulte, segnete, murmelte, betastete ihn, und benetzte seinAngesicht mit Thränen.
Abdias aber ging, da dies vorüber war, wieder in die Vorstnbe hinaus, warf sich anseinen Haufen Matten, die da lagen, und ließ den Quell seiner Augen rinnen — er rann somilde und süß; venn sein Leib war ermüdet bis zum Tode.
Der Vater aber ließ ihn von seinen Lumpen entkleiden, man legte seinen Körper in einlinderndes reinigendes Bad, rieb dann die Glieder mit köstlichen und heilsamen Salben, undkleidete ihn in ein Feierkleid. Dann wurde er in die inneren Zimmer gebracht, wo Esther ausden Polstern saß und geduldig wartete, bis ihn der Vater herein führen würde. Sie standauf, da der Angekommene unter dem Vorhänge des Zimmers herein ging — aber es war nichtmehr der süße weiche schöne Knabe, den sie einst so geliebt hatte, und dessen Wangen das sosanfte Kissen für ihre Lippen gewesen waren; sondern er war sehr dunkel geworden, dasAntlitz härter und höher und die Augen viel feuriger —: aber auch er sah die Mutter an— sie war nicht minder eine andere geworden, und das unheimliche Spiel der Jahre zeigte sichin ihrem Angesichte. Sie nahm ihn, da er bis an ihre Seite vorwärts gekommen war,an ihr Herz, zog ihn gegen sich auf die Kissen, und drückte ihren Mund auf seine Wangen,seine Stirne, seinen Scheitel, auf seine Augen und auf seine Ohren.
Der alte Aron stand seitwärts mit gebücktem Haupte, und die Zofen saßen in dem Ge-mache daneben hinter gelbseidenen Vorhängen und flüsterten.
Die andern aber, die noch zu dem Hause gehörten, gingen draußen an ein anderes