Druckschrift 
Abdias
Entstehung
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Es ist der Jude AbriaS, von dem ich erzählen will.

Wer vielleicht vom ihm gehört hat, oder wer etwa gar noch die neunzigjährige gebückteGestalt einst vor dem weißen Häuschen hat sitzen gesehen, sende ihm kein bitteres Gefühl nach weder Fluch, noch Segen, er hat beides in seinem Leben reichlich geerndtet sondern erhalte sich in diesen Zeilen noch einmal sein Bild vor die Augen. Und auch derjenige, der nieetwas von diesem Manne gehört hat, folge uns, wenn es ihm gefällt, bis zu Ende, da wirsein Wesen einfach aufzustellen versucht haben, und dann urtheile er über den Juden Abdias,wie es ihm sein Herz nur immer eingibt.

Tief in den Wüsten innerhalb des Atlasses steht eine alte, aus der Geschichte verloreneRömerstadt. Sie ist nach und nach zusammengefallen, hat seit Jahrhunderten keinen Namenmehr, wie lange sie schon keine Bewohner hat, weiß man nicht mehr, der Europäer zeichnetesie bis auf die neueste Zeit nicht auf seine Karten, weil er von ihr nichts ahnete, und derBerber, wenn er auf seinem schnellen Rosse vorüber jagte, und das hängende Gemäuer stehensah, dachte entweder gar nicht an dasselbe und an dessen Zweck, oder er fertigte die Unheim-lichkeit seines Gemüthes mit ein paar abergläubischen Gedanken ab, bis das letzte Mauerstückaus seinem Gesichte, und der letzte Ton der Schakale, die darin Hausen, aus seinem Ohr ent-schwunden war. Dann ritt er fröhlich weiter, und es umgab ihn nichts, als das einsame,bekannte, schöne, lieb gewordene Bild der Wüste. Dennoch lebten außer den Schakalen, derganzen übrigen Welt unbekannt, auch noch andere Bewohner in den Ruinen. Es waren Kinderjenes Geschlechtes, welches das ausschließendste der Welt, starr blos auf einen einzigsten Punktderselben hinweisend, doch in alle Länder der Menschen zerstreut ist, und von dem großenMeere gleichsam auch einige Tropfen in diese Abgelegenheit hinein verspritzt hatte. Düstre,schwarze, schmutzige Juden gingen wie Schatten in den Trümmern herum, gingen drinnen ausund ein, und wohnten drinnen mit dem Schakal, den sie manchmal fütterten. Es wußte Nie-mand von ihnen, außer die anderen Glaubensbrüder, die draußen wohnten. Sie handeltenmit Gold und Silber und mit andern Dingen von dem Lande Egypten herüber auch mit ver-pesteten Lappen und Wollenzeugen, davon sie sich wohl selber zuweilen die Pest brachten unvdaran verschmachteten aber der Sohn nahm dann mit Ergebung und Geduld den Stabseines Vaters, und wanderte und that, wie dieser gethan, harrend, tvas das Schicksal überihn verhängen möge. Ward einmal einer von einem Kabilen erschlagen, und beraubt, so heulteder ganze Stamm, der in dem wüsten weiten Lande zerstreut war und dann war es vor-über und vergessen, bis man etwa nach langer Zeit auch den Kabilen irgendwo erschlagen fand.

So war dies Volk , und von ihm stammte Abdias her.

Durch einen römischen Triumphbogen hindurch an zwei Stämmen verdorrter Palmenvorbei gelangte man zu einem Mauerklumpen, dessen Zweck nicht mehr zu erkennen warjetzt war es die Wohnung Aron's, des Vaters Abdias. Oben gingen Trümmer einer Wasser-leitung darüber, unten lagen Stücke, die man gar nicht mehr erkannte, und man mußte sie

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