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Dort, zum Beispiele, wallt ein Strom in schönem Silberspiegel, es fällt ein Knabe
^ hinein, das Wasser kräuselt sich lieblich um seine Locken, er versinkt -— und wieder nach einem
Weilchen wallt der Silberspiegel, wie vorher. -— — Dort reitet der Beduine zwischen derdunklen Wolke seines Himmels und dem gelben Sande seiner,Wüste; da springt ein leichterglänzender Funke auf sein Haupt, er fühlt durch seine Nerven ein unbekanntes Rieseln, hörtnoch trunken den Wolkendonner in seine Ohren, und dann auf ewig nichts mehr.
Dieses war den Alten Fatum, furchtbar letzter starrer Grund des Geschehenden, überden man nicht hinaus sieht, und jenseits dessen auch nichts mehr ist, so daß ihm selber dieGötter unterworfen sind: uns ist es Schicksal, also ein von einer höhern Macht Gesendetes,
! das wir empfangen sollen. Der Starke unterwirft sich auch ergeben, der Schwache stürmt mit
^ Klagen darwider, und der Gemeine staunt dumpf, wenn das Ungeheure geschieht, oder er wird
wahnwitzig und begeht Frevel.
Aber eigentlich mag es weder ein Fatum geben, als letzte Unvernunft des Seins, nochauch wird das Einzelne auf uns gesendet; sondern eine heitre Blumenkette hängt durch dieUnendlichkeit des Alls und sendet ihren Schimmer in die Herzen — die Kette der Ursachen undWirkungen — und in das Haupt des Menschen ward die schönste dieser Blumen geworfen, dieVernunft, das Auge der Seele, die Kette daran anzuknüpfen, und an ihr Blume um Blume,
Glied um Glied hinab zu zählen bis zuletzt zu jener Hand, in der das Ende ruht. Und habenwir dereinstens recht gezählt, und können wir die Zählung überschauen: dann wird für unskein Zufall mehr erscheinen, sondern Folgen, kein Unglück mehr, sondern nur Verschulden; denndie Lücken, die jetzt sind, erzeugen das Unerwartete, und der Mißbrauch das Unglückselige.
Wohl zählt nun das menschliche Geschlecht schon aus einem Jahrtausende in das andere, abervon der großen Kette der Blumen sind nur erst einzelne Blätter aufgedeckt, noch fließt das Ge-schehen wie ein heiliges Räthsel an uns vorbei, noch zieht der Schmerz im Menschenherzenaus und ein — — ob er aber nicht zuletzt selber eine Blume in jener Kette ist? wer kanndas ergründen? Wenn dann einer sagt, warum denn die Kette so groß ist, daß wir in Jahr-tausenden erst einige Blätter aufgedeckt haben, die da duften, so antworten wir: So uner-meßlich ist der Vorrath darum, damit ein jedes der kommenden Geschlechter etwas finden könne,
— das kleine Aufgefundne ist schon ein großer herrlicher Reichthum, und immer größer immerherrlicher wird der Reichthum, je mehr da kommen, welche leben und enthüllen — und wasnoch erst die Woge aller Zunkunft birgt, davon können wir wohl kaum das Tausendstel des
Tausendstels ahnen.-Wir wollen nicht weiter grübeln, wie es sei in diesen Dingen,
sondern schlechthin von einem Manne erzählen, an dem sich manches davon darstellte, und vondem es ungewiß ist, ob sein Schicksal ein seltsameres Ding sei, oder sein Herz. Auf jedenFall wird man durch Lebenswege wie der seine zur Frage angeregt: „warum nun dieses?" undman wird in ein düsteres Grübeln hinein gelockt über Vorsicht, Schicksal und letzten Grundaller Dinge.
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